Johanna-Ruß-Schule · Numbachstraße 3 · 57072 Siegen · 0271-23313 · www.förderschule-siegen.de

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„Miteinander leben und lernen“ – unser Schulprofil

Johanna-Ruß-Schule • Numbachstr. 3 • 57072 Siegen • 0271-23313

www.förderschule-siegen.de • Stand: Samstag, 31. Oktober 2020


„Miteinander leben und lernen“ – schon seit der Gründung der Johanna-Ruß-Schule trug unser pädagogisches Konzept diese Überschrift. Nun ist es zum ausführlichen Schulprofil geworden und informiert umfassend über Ziele, Aufbau und Praxis unserer Heilpädagogischen Waldorfschule.

Dieses Dokument ist weitgehend identisch mit dem Kernbereich unserer Internet-Site. Denn wir möchten dieses Schulprofil ebenso lebendig und veränderbar halten wie die Schule selbst: es soll der Spiegelung der Realität und der Reflektion aller Beteiligten dienen.

Wir bitten um Verständnis, dass nicht alles perfekt ist… Wer ist das schon? ;-)


Überblick

Überblick über die Johanna-Ruß-Schule

Die Johanna-Ruß-Schule in Siegen ist eine Förderschule in freier Trägerschaft. Sie ergänzt das Bildungsangebot der öffentlichen Schulen unseres Einzugsbereiches im Kreis Siegen-Wittgenstein und darüber hinaus.

In zwölf Jahrgangsklassen werden jeweils bis zu zwölf Schülerinnen und Schüler auf Grundlage der Waldorfpädagogik unterrichtet und gefördert. Es sind Kinder und Jugendliche, die eine besondere überschaubare Lernumgebung brauchen und folgenden offiziellen Förderschwerpunkten zugeordnet sind:

  • Förderschwerpunkt Lernen
  • Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung
  • Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung (Rheinland-Pfalz: ganzheitliche Entwicklung)
  • Förderschwerpunkt Sprache (Hessen: Sprachheilförderung)


Wir sind eine Ganztagsschule mit folgenden Schulzeiten:

  • Montag, Dienstag, Mittwoch: 8.10 bis 15.30 Uhr
  • Donnerstag: 8.10 bis 14.00 Uhr
  • Freitag: 8.10 bis 12.30 Uhr

Unser binnen-integratives Konzept bewährt sich auch unter dem Gesichtspunkt der Inklusion. Denn Teilhabe und heilpädagogische Förderung sollte nach unserer Ansicht den gesamten Unterricht und Tagesablauf durchziehen und sich in langjährigen menschlichen Beziehungen entfalten können.

Unser Selbstverständnis als Freie Schule finden wir in den Aufgaben und Zielen öffentlicher Schulen in freier Trägerschaft (Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen, 2008) ausgedrückt.

Die Geschichte der Johanna-Ruß-Schule

Wie jede Waldorfschule ist auch die Johanna-Ruß-Schule aus einer lokalen Initiative von Eltern, Lehrern und Unterstützern hervorgegangen. Nachdem sich bereits in den 50er Jahren Überlegungen zur Gründung einer Waldorfschule in Siegen zeigten, die aber am Lehrermangel scheiterten, nahm die Waldorfbewegung in Siegen 1971 mit der Gründung des Kindergartens am Häusling Schwung auf. Nach mehrjähriger Vorbereitung begann dann zum Schuljahresbeginn 1980 die mit 6 Klassen ihren Betrieb. Heute führt sie mit 13 Klassen bis zum Abitur.

Im Umfeld der Rudolf Steiner Schule wurde dann zunehmend klar, dass auch eine Schule für Kinder gewünscht wurde, die kleinere Klassen, eine besondere Pflege der rhythmischen Strukturen und andere Lernwege benötigten. Nach wiederum langen Gründungsvorbereitungen nahm im Sommer 1995 die Johanna-Ruß-Schule mit den zwei Anfangsklassen ihren Betrieb auf. Von da an wuchs die Schule jedes Jahr durch Neuaufnahme einer ersten Klasse.

Johanna Ruß (1901-1986)

Die beiden ersten Schuljahre verbrachten wir noch in Räumlichkeiten der Rudolf Steiner Schule. Im Sommer 1997 bezogen wir unser neues Domizil an der Alche, das durch Neubauten 2001 und 2007 wesentlich erweitert wurde.

Auch die Trägerschaft hatte bis zum Ablauf des Jahres 2002 noch die Rudolf Steiner Schule Siegen inne, bis wir auch organisatorisch mit dem Verein Johanna-Ruß-Schule e.V. selbstständig wurden. Darüber hinaus hat sich die in den Anfangsjahren intensive Arbeitsbeziehung zu unserer „großen Schwester“ zwar im Lauf der Jahre erheblich reduziert, doch bleibt eine tragende Verbundenheit, für die wir sehr dankbar sind.

Unsere Schule trägt den Namen einer Pionierin unserer Bewegung. Johanna Ruß wurde am 24. September 1901 in Jena geboren, dem Ort, von dem die anthroposophisch orientierte Heilpädagogik in Deutschland ihren Ausgang nahm. Zeit ihres Lebens hat Johanna Ruß mit behinderten Menschen gearbeitet. Die zwei Säulen, auf denen sie ihr praktisches Wirken aufbaute, waren die Musik – viele von ihr komponierte Lieder durchklingen unsern Schulalltag – und die Eurythmie. Bis wenige Tage vor ihrem Tod 1986 war sie im Dienste der Heilpädagogik tätig. In ihrer von Humor getragenen Arbeitsfreude und ihrer Liebe zu allen Menschen ist sie uns ein Vorbild.

Zur Biographie von Johanna Ruß.

Gebäude und Wegbeschreibung

Die Wegbeschreibung zu unserer Schule finden Sie hier auf Google Maps oder Bing Maps.

Wir versuchen, wie alle Waldorfschulen, schon durch die Architektur und Raumgestaltung unsern Kindern einen positive, angemessene Lernumgebung zu bieten. Die lebendigen Formen und Farben am Äußeren und im Inneren unserer Gebäude sollen unser Anliegen unterstützen, den Kindern und Jugendlichen eine wohltuende schulische Heimat zu geben.

Ökologische Kriterien sind uns sehr wichtig. Alle Gebäude werden mit Holzpellets geheizt. Der Altbau bekam 2009 aus Mitteln des „Konjunkturpaketes“ eine Wärmedämmung. Unseren Strom beziehen wir bei einem der echten Ökostrom-Anbieter, der Greenpeace Energy eG.

Auch der Schulhof ist ein pädagogisch wichtiger Lebensraum. Wir legen Wert auf eine biologische Bewirtschaftung der Grünflächen, die unser Gelände ökologisch gesund in die natürliche Umgebung einfügt. Natürliche Materialien bei der Auswahl der Spielgeräte fördern die Vielfalt der Sinneserfahrungen, die für unsere Kinder sehr wichtig ist.

Erweitert werden die räumlichen Möglichkeiten noch durch das von uns gepachtete Gartenbau-Gelände in der Alten Heinbach, das mit einem 10-minütigen Fußweg zu erreichen ist.


Die Pädagogik

Was ist Waldorfpädagogik?

„Lernen“ kann sich in der heutigen Gesellschaft nicht mehr nur auf Kindheit und Jugend beziehen. Man spricht von „lebenslangem Lernen“ und meint damit: die Schule ist nicht dafür da, den Heranwachsenden ein statisches, für alle Zeiten festgelegtes Wissen einzutrichtern. Sie soll vielmehr Grundlagen schaffen, mit denen der Mensch möglichst allseitig seine Fähigkeiten entfalten kann und sich im Leben bewähren kann.

Die Waldorfpädagogik war und ist eine Vorreiterin dieses Konzeptes. Schon Rudolf Steiner sagte: Das Leben selbst ist die Schule – die Waldorfschule nur eine „Vorschule“.

Deshalb wurde in der Waldorfschule schon immer ganzheitlich „Kopf, Herz und Hand“ angesprochen. Der Intellekt ist nur ein kleiner Teil des Menschen. Was mit dem Willen und mit dem Gefühl gelernt wird, wirkt tiefer und nachhaltiger als abfragbares Wissen. Welch wichtige Basis Kindheit und Jugend fürs ganze Leben sind, weiß man heute. Waldorfkindergärten und -schulen haben bereits seit 1919 ihre Methoden darauf eingestellt.

Das anthroposophische Menschenbild, um das die Lehrer einer Waldorfschule – selbst lebenslang Lernende – fortwährend ringen, gibt ihnen die Möglichkeit, auf tieferer Ebene erziehend auf die Kinder einzuwirken. Denn wenn man Bildung nicht ausschließlich als Vermittlung kognitiver Inhalte ansieht, muss man die Gesetzmäßigkeiten kennen, nach denen sich der Mensch auf den verschiedenen Ebenen – körperlich, seelisch und geistig – entwickelt. Rudolf Steiner hat dies in zukunftsweisender Form in der „Allgemeinen Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“ dargelegt und zugleich Hinweise zur Entwicklung eines Lehrplanes gegeben. Die weltweite Waldorfbewegung hat daraus einen Lehrplan für die 12 Schuljahre der Waldorfschule sowie ein offenes, bewegliches System von pädagogischen Methoden entwickelt. Sowohl die Lehrinhalte als auch die Methoden haben das Ziel, für jedes individuelle Kind zu seiner Entwicklung zu einem gesunden, selbstbestimmten und glücklichen Menschen beizutragen.

Obwohl die Einzelelemente der Waldorfpädagogik ihren ganzen Sinn erst aus dem Gesamtsystem und vor dem Hintergrund der vom Lehrer verinnerlichten Menschenkunde entfalten, lassen sich einige wichtige Prinzipien nennen:

  • Klassenlehrer: Für das Kind ist die langjährig konstante Beziehung zum Klassenlehrer von enormer Wichtigkeit, insbesondere in der Zeit bis zur Pubertät. Waldorfpädagogik spricht von der „natürlichen Autorität“, die das Kind im Erwachsenen findet. Autorität in diesem Sinne hat nichts mit Zwang und Anpassung zu tun, sondern meint das Bedürfnis der Kinder, sich in der ästhetischen und moralischen Beurteilung der Welt, also mit seinen manchmal tief innerlich versteckten Fragen, was gut und böse, schön und hässlich ist, an den Erwachsenen anzulehnen. Um dies Vertrauensverhältnis zu ermöglichen, das eine wichtige Grundlage für alles Lernen ist, führt auch an der Johanna-Ruß-Schule der Klassenlehrer seine Klasse vom 1. bis zum 8. Schuljahr. Er unterrichtet seine Klasse in den wichtigsten Fächern („Hauptunterricht“) und begleitet sie durch den Schultag. Die Klassengemeinschaft selbst bleibt, ohne „Sitzenbleiben“, vom 1. bis zum 12. Schuljahr erhalten.
  • Epochen: Der Hauptunterricht, das ist der morgendliche erste Unterrichtsblock bis zum Frühstück um ca. 10 Uhr, ist ein Kernstück der Waldorfschule. Hier werden die wichtigsten Fächer unterrichtet: Formenzeichnen, Schreiben und Lesen, Rechnen, Naturkunde (Tier- und Pflanzenkunde), später auch Geschichte, Geographie, Chemie, Physik u.a. Wichtiger als die Fachbezeichnung ist aber das Epochenprinzip: Schon Steiner sah im „zerhackten“ Stundenplan, der das Kind über den Tag und über die Woche hin mit einer Vielzahl verschiedener Themen konfrontiert, etwas Ineffektives. Den Konzentrationsfähigkeiten von Kindern (und Erwachsenen!) entspricht eher, sich über längere Zeit mit einem Thema zu befassen. In den Zwischenphasen, wenn ein anderes Thema an der Reihe ist, darf und soll das Gelernte sogar vergessen werden, weil es dann beim späteren Wiederaufgreifen in verwandelter, verinnerlichter Form zur Verfügung steht. Auch hierin war Steiner Vorreiter, denn neuere Forschungen haben diese positive Funktion des Vergessens bestätigt und viele Schulen das Epochenprinzip übernommen. Meist dauert eine Epoche zwischen 3 und 6 Wochen. Oft strahlt eine Epoche auch auf die übrige Tageszeit aus, denn der Klassenlehrer verbringt, besonders in den unteren Klassen, viel Zeit in „seiner“ Klasse und hat entsprechende Gestaltungsfreiheit.
  • Dreiteilung des Unterrichts: Lernen in der Waldorfschule ist grundsätzlich Lernen mit Kopf, Herz und Gliedmaßen. Jeder Unterricht soll künstlerisch und lebendig sein, nicht weil es unbedingt allen Kindern Spaß macht, sondern weil es ihren tieferen Bedürfnissen entspricht. Darüber hinaus aber gibt es noch die Dreiteilung in „Rhythmischen Teil“, „Arbeitsteil“ und „Erzählteil“, in die der Hauptunterricht und auch viele Fachunterrichte gegliedert sind. „Rhythmischer Teil“ heißt, dass durch Bewegungs-, Sprach- und Sozialübungen zunächst die Aufmerksamkeit der Kinder geweckt wird, die Kinder ihren Körper, den Raum und die Klassenkameraden wach wahrnehmen. Im „Arbeitsteil“ wendet man sich dann dem eigentlichen Thema zu, hier braucht man Ruhe und Aufmerksamkeit. Dem Abklingenlassen des Erlebten und neu Gelernten dient dann der „Erzählteil“: Die Kinder lauschen der vom Lehrer frei erzählten Fortsetzungsgeschichte und kommen dabei zu tiefer Ruhe und „Ausatmung“.
  • Epochenhefte: An Waldorfschulen, zumindest bis zur mittleren Mittelstufe, gibt es traditionell kaum Schulbücher. An deren Stelle tritt das „Epochenheft“ als „selbstgemachtes Schulbuch“. Was darin steht, ist – in der Lerngemeinschaft und von jedem individuell – selbst erarbeitet und gestaltet worden.

Lesen Sie zu den Zielen und Methoden der Waldorfpädagogik auch das Gemeinsame Leitbild der deutschen Waldorfschulen, dem auch die Johanna-Ruß-Schule zugestimmt hat.

Literaturhinweise können im Rahmen dieses Schulprofils nicht gegeben werden. Dazu ist die Literatur zur Waldorfpädagogik und auch zur Sozialgestalt der Waldorfschule zu umfangreich. Stattdessen verweisen wir auf folgende Internetressourcen:

Unsere besonderen Kinder

Schon die erste, 1919 in Stuttgart gegründete Waldorfschule war als eine Schule für sehr verschiedene Kinder geplant und verwirklicht. Mädchen und Jungen (was damals nicht üblich war) sowie Arbeiterkinder und Kinder des Bildungsbürgertums lernten zusammen.

Auch einige Kinder waren dabei, die nach heutiger Definition „sonderpädagogischen Förderbedarf“ hätten. Rudolf Steiner richtete nun für diese Kinder eine besondere „Hilfsklasse“ ein. Dies kann man als eigentliche Geburtsstunde der heilpädagogischen Waldorfschulen ansehen.

Denn in der Praxis hatte es sich erwiesen, dass man in den großen Klassen den besonderen Kindern nicht gerecht werden konnte. Steiner vertraute diese Aufgabe einem Lehrer an, dem besondere Herzenskräfte und Menschliebe zu eigen waren, allerdings nicht im Sinne von falschem Mitleid: Karl Schubert. Steiner charakterisierte Schuberts heilpädagogische Qualität als eine Liebe, die „bei den Kindern nichts moralisch nimmt“.

In dieser Hilfsklasse sollten die Kinder nach dem gleichen, der Kindesentwicklung abgelesenen Lehrplan unterrichtet werden wie ihre Altersgenossen. Die Themen müssen jedoch, durch die seelischen Kräfte des Lehrers vermittelt, in intensiverer und individualisierter Form behandelt werden. Wenn der heilpädagogische Lehrer seinen Kindern etwas darstellt, dann müsse er „die Berge berger, die Flüsse flüsser machen“, so fasste Schubert seine Methode zusammen. Einem geistig behinderten Kind muss das römische Rechtssystem oder die Entstehung des Faltengebirges anders nahegebracht werden als einem erziehungsschwierigen Kind. Phantasie des Lehrers ist gefragt, um den Stoff plastisch zu machen auch für Kinder mit sehr begrenzten sprachlichen und intellektuellen Möglichkeiten.

Im Jahr 1924 hielt Steiner dann seinen „Heilpädagogischen Kurs“ und stellte gleich im ersten Vortrag klar, dass es keinen Sinn macht, „über die Normalität oder Abnormalität des kindlichen Seelenlebens oder menschlichen Seelenlebens überhaupt zu reden“. Denn in jedem Menschen sitzt „irgendwo in einer Ecke eine sogenannte Unnormalität“. Auch hierin war Steiner also – zu einer Zeit, in der behinderte Menschen noch als „minderwertig“ gesehen wurden – Vorreiter moderner Ansichten. Er entwickelt in seinem Kurs dann eine Systematik, wie man Behinderungen nicht als medizinische „Defekte“ zu sehen hat, sondern als Verstärkung von Tendenzen, die jeder Mensch auch in sich hat und spürt. Damit beginnt für den Lehrer die Möglichkeit, zu verstehen und zu helfen.

In einer überschaubaren Umgebung können sich Kinder individueller ausleben. Wir haben uns daher, wie auch einige vergleichbare Waldorf-Förderschulen, für ein Konzept entschieden, das die wichtigsten Förderschwerpunkte übergreift. Dadurch können die Kinder sich in ihrer Verschiedenheit wunderbar ergänzen und helfen. Ein verhaltensauffälliges Kind, dem der Konkurrenzdruck an einer Regelschule enormen Stress gemacht hat, entdeckt plötzlich ganz andere Seiten an sich, wenn es einem Kind mit Down-Syndrom helfen kann. Wer hilft hier wem? Die Hilfe ist gegenseitig, auch wenn es den Kindern nicht bewusst wird.

Ein künstlerischer Unterricht, den der Lehrer mit Blick auf die verschiedenen Kinder vielfältig variiert, aber so, dass immer auch das Gemeinschaftserleben erhalten bleibt: dies wirkt selbst „heilend“ auf die Kinder. Denn die Behinderungen der Kinder sind ja nur Einseitigkeiten der Persönlichkeitsausprägung, wie sie jeder von uns in leichterer Form auch an sich hat.

Unsere besondere Schule

Der Unterricht ist an unserer Ganztagsschule in den gemeinsamen Schulalltag eingebettet. So wird die Schule für die Kinder zu ihrem „Haus des Lernens“. Schon die gemeinsamen Mahlzeiten mit allem was dazu gehört – den Tisch decken, das Essen austeilen und servieren, Geschirr spülen, Zähne putzen, gelegentlich auch selber kochen – bieten viele wertvolle Lernmöglichkeiten und geben den Kindern ein Alltags-„Gerüst“.

Ein weiteres wichtiges Element ist die Pflege der Gemeinschaft nicht nur in der Klasse, sondern darüber hinaus. Dem dient der gemeinsame tägliche Morgenkreis, zu dem sich alle Kinder und Erwachsenen vor Unterrichtsbeginn einfinden. Es wird gesungen, gebetet, es werden Geburtstage angesagt und Besuch begrüßt. Die gemeinsame Verehrung des Göttlichen, das gemeinsame Ernstnehmen des Wichtigen im Alltag ermöglicht nicht nur für die Kleinen das Ankommen in ihrer Schule, er wird auch, wenn es authentisch ist, von den großen Schülern mitgetragen – und erneuert so jeden Tag die Schulgemeinschaft.

Das Pendant zum Morgenkreis ist der Schlusskreis zum Abschluss des Schultages, der einen leichteren Charakter hat. Man trifft sich noch einmal kurz, um sich gegenseitig wahrzunehmen und besondere Ereignisse des erlebten Tages zu nennen oder stolz fertiggestellte Werkstücke zu zeigen.

Bei den sogenannten Monatsfeiern, einem traditionellen Waldorfelement, zeigen die Klassen sich in Form kleiner Aufführungen, was sie in letzter Zeit erarbeitet haben. Das täglich in Morgen- und Schlusskreis geübte gegenseitige Wahrnehmen der Klassen bewährt sich hier und führt zur Vertiefung der Erfahrung als Schulgemeinschaft.

Die einmal jährliche Klassenfahrt ca. ab der 3. Klasse verstärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Klasse. Einige Tage bis zu mehreren Wochen ohne die Eltern im Kreise ihrer Freunde zu verbringen, ist für die Kinder eine beglückende Erfahrung und führt sie in die Selbstständigkeit.

Weitere Glanzpunkte im Schulalltag sind die innerhalb der Klasse und der Schulgemeinschaft würdig gestalteten Jahresfeste (hierzu dient auch der in jeder Klasse gepflegte „Jahreszeitentisch“) wie Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Johanni, Michaeli, Martini, Advent, Weihnachten, die Dreikönigszeit und last but not least der Karneval. In Klassen, in denen Kinder anderer Religionsbekenntnisse sind, werden, wenn Kinder oder Eltern dies hereintragen, auch z.B. muslimische Traditionen beachtet.

In Absprache mit den Eltern nehmen die Kinder am überkonfessionellen christlichen Religionsunterricht teil, der von dazu qualifizierten Lehrkräften gegeben wird.

Zur alltäglichen Schulgemeinschaft gehören außer den Kindern und den Lehrkräften auch die jungen Menschen, die bei uns den Bundesfreiwilligendienst oder das Freiwillige Soziale Jahr machen. Teilweise sind sie als Integrationskraft einem Kind an die Seite gestellt, das besondere Hilfen benötigt, um sinnvoll am Unterricht teilnehmen zu können. Die meisten unserer jungen Helferinnen und Helfer haben aber die Aufgabe, den Unterricht zu unterstützen, indem sie wie der „verlängerte Arm der Lehrkraft“ den Kindern dabei helfen, die Unterrichtsinhalte individuell tätig umzusetzen.

Unterstufe: die Klassen 1 bis 4

In den ersten beiden Schuljahren lernen die Kinder an unserer Schule auf sehr spielerische und gemütvolle Weise. Sie tauchen ein in die Welt der Märchen und Geschichten, der Tag ist von Liedern, Fingerspielen und kleinen Ritualen durchzogen. Staunend lernen sie durch Bilder und Geschichten die ersten Formen und Buchstaben kennen und erfahren sie sinnlich durch große Bewegungen, indem sie sie auf dem Fußboden ablaufen, groß an der Tafel malen und schließlich mit Bienenwachsblöckchen ins Heft malen.

Das Bienenwachs dient als Knetwachs auch zum plastischen „Begreifen“ der verschiedenen Formen. Niemals wird geknetet oder gemalt, ohne dass die betreffende Geschichte dazu im Raum schwebt. Die Kinder wollen die später abstrakten Zeichen wie Buchstaben und Zahlen zunächst durch ihr Gefühl in sich aufnehmen, nicht durch den Verstand. Niemals fragt der Lehrer in den ersten Jahren das Kind abstrakt nach, ob es sich etwas schon gemerkt hat. Es macht den Kindern Freude, z.B. die „Flatterfahne“ (das F) im Alltag wieder zu entdecken. Der Lehrer vermeidet jeglichen Druck und geht – aufgrund vielfältiger Erfahrung – davon aus, dass das Lesenkönnen (bei den Kindern, die von ihren Beeinträchtigungen her überhaupt dazu in der Lage sind!) in der vierten, fünften oder sechsten Klasse „wie ein reifer Apfel vom Baum fällt“. Denn was das Kind wirklich lernen und im späteren Leben gebrauchen können soll, muss es durch sich durch die geheime Arbeit seiner eigensten Seelenkräfte erwerben. Erst recht in der Mathematik zeigt sich dies: Äußeres Antrainieren oder Eintrichtern kann niemals die wirkliche Einsicht fördern; und nur in dieser liegt das Fundament für weitere Lernfortschritte in Mittel- und Oberstufe.

In der Unterstufe ist der Stundenplan noch sehr entspannt und frei; ausgedehnte Spielphasen, Spaziergänge und Naturerfahrung im an die Schule grenzenden Wald mit seinen Bachläufen gehören dazu.

Mittags nach dem Essen und Zähneputzen gibt es in den ersten beiden Klassen Ruhephasen. Manche Kinder schlafen auf ihren Betten tatsächlich ein, andere beschäftigen sich still mit einem Bilderbuch oder Kuscheltier.

Die Themen des Hauptunterrichtes sind:

Selbstverständlich ist im folgenden zu beachten, dass die kognitiven Lernfortschritte der Kinder sehr stark von ihren individuellen Veranlagungen und Beeinträchtigungen abhängen. Trotzdem sind die Themen in der Regel für alle Kinder gleich und werden für die schwerer behinderten Kinder entsprechend angepasst (siehe auch Punkt 2.2).

  • Formenzeichnen: Erlernen und Üben elementarer Formen (angefangen von „Gerade und Krumme“) als Vorstufe des Schreibens und als „Grundausrüstung fürs Leben“, bis hin zu räumlich komplizierten Flechtformen im 4. Schuljahr
  • Schreiben und Lesen: Bildhaftes und tätiges Kennenlernen der großen und kleinen Buchstaben, mit den unterschiedlichen Qualitäten der Vokale und Konsonanten; Verwendung des Abschreibens oder Nachspurens kleinerer oder größerer Texte für alle Sachthemen und im Alltag.
  • Rechnen: Kennenlernen der Zahlen und ihrer Zeichen, elementare Rechenoperationen, Üben der Grundrechenarten je nach Fähigkeiten der Kinder. Auch das Bruchrechnen wird aus menschenkundlichen Gründen bereits in der 4. Klasse eingeführt.
  • Schöpfungsgeschichte: zur Vorbereitung der Altersstufe des „Rubikons“ (9 bis 10 Jahre), wo das Kind sich bewusster der Welt gegenüberstellt, dient die Erarbeitung der 7 Schöpfungstage nach dem Alten Testament.
  • Ackerbau, Hausbau, Handwerk: Diese Themen der 3. Klasse dienen ebenfalls der neuen Verbindung mit der Erde, die auf dieser Altersstufe möglich wird. Alle drei Epochen verbinden Betrachtungen mit praktischen eigenem Tun, z.B. der Bestellung eines eigenen kleinen Ackers.
  • Sprachlehre: Nach dem Rubikon, in der 4. Klasse, kann das Kind sich auch der selbstbenutzten Sprache betrachtend gegenüberstellen und ihren Bau untersuchen.
  • Heimatkunde: Ebenfalls wird auf dieser Altersstufe die räumliche Umgebung erforscht, in Form der Himmelskunde (Sonnen- und Mondlauf, Jahreszeiten, Himmelsrichtungen) und der eigentlichen Heimatkunde: die nähere Umgebung der Schule oder der Stadt wird in einer ersten Landkarte bzw. einem Modell plastiziert oder gezeichnet.
  • Menschen- und Tierkunde als Einstieg in die Naturkunde: in dieser besonderen Epoche in der 4. Klasse wird von der Betrachtung des Menschen ausgegangen, damit alle folgenden Tierkundeepochen sich darauf beziehen können.

Als Fächer kommen zum Hauptunterricht in dieser Zeit hinzu:

  • Eurythmie: in dieser Bewegungskunst lernen die Kinder die Laute (Buchstaben) nochmals von einer anderen Seite her kennen und machen elementare Erfahrungen mit der Bewegung im Raum, mit Rhythmus und Geste.
  • Religion: der freie christliche Religionsunterricht (siehe Abschnitt „Unsere besondere Schule“) beginnt im Laufe der ersten oder zweiten Klasse.
  • Handarbeit: elementare Erfahrung in der Verarbeitung von Wolle (Waschen, Kardieren, Filzen, Spinnen, Häkeln und Stricken) führen zur Förderung der Feinmotorik und fördern damit auch die differenzierte Gehirnentwicklung.
  • Spielturnen: Kreis- und Reigenspiele zur Förderung der Motorik
  • Malen mit Wasserfarben: Es dient der tiefen seelischen Erfahrung von Farbqualitäten und hat geradezu therapeutische Wirkung.
  • Englisch: Es wird von der 1. bis zur 12. Klasse teils als separater Fachunterricht gegeben, teilweise aber auch vom Klassenlehrer als Fachstunde oder als Englisch-Sequenz im Hauptunterricht oder anderen Phasen des Tageslaufs.


Mittelstufe: die Klassen 5 bis 8

Die Kinder entwickeln sich in diesen Jahren zu mehr Eigenständigkeit und werden unabhängiger vom Lehrer. Doch auch, wenn die Kinder und Jugendlichen jetzt mehr und kompliziertere Fragen an den Lehrer stellen, denen er sich nicht versperren darf, bleibt er (wie andere Erwachsene) noch die Instanz, an die sie sich zumindest unterbewusst vertrauensvoll anlehnen. Der Unterricht muss weiterhin eine künstlerische Atmosphäre haben. Insbesondere in den Klassen 5 und 6 soll z.B. in den naturkundlichen Fächern das Beobachten und Anschauen noch Vorrang haben. Erst ab der 7. Klasse sind die Jugendlichen zu einem wirklichen Verständnis von Kausalität in der Lage, so dass erst hier der herkömmliche Physik- und Geschichtsunterricht einsetzt.

Natürlich wird – entsprechend der Verschiedenheit unserer Kinder – im Laufe der Zeit immer mehr Differenzierung in den Unterricht eingebaut. Es bleibt aber in aller Regel dabei, dass sich die Klassen gemeinsam den Themen widmen und jeder es auf seine Art individuell erarbeitet.

Inhalte des Hauptunterrichts (Auswahl):

  • Schreiben, Lesen, Deutsch: Jetzt ist die Zeit, dass sich bei den Kindern, die dazu in der Lage sind, eine wirkliche Schreib- und Lesefertigkeit entwickelt. Der kunstvolle Bau der Sprache wird weiter erforscht, Grammatik kann und soll lebendig werden. Mehr und mehr werden Aufsätze und (für den realen Alltag brauchbare) Briefe geschrieben.
  • Rechnen: Fortsetzung und Festigung der Grundrechenarten. Bruchrechnen. Dezimalzahlen. Prozentrechnen.
  • Geometrie: Nach der Übung im Formenzeichnen in der Unterstufe werden jetzt auch Zeichenwerkzeuge (Lineal, Dreieck, Zirkel) dazugenommen, denn es werden die exakten geometrischen Gesetzmäßigkeiten erforscht.
  • Zeichnen: Das Zeichnen wird durch alle Klassen hindurch im Epochenheft gepflegt. In der 7. und 8. Klasse wird mit dem speziellen Hell-Dunkel-Zeichnen die räumliche Wiedergabe des Gesehenen geübt.
  • Naturkunde: Weiterführung der Tierkunde mit Rückbezug auf den Menschen. Erste Pflanzenkunde, immer mit Beziehung zur geographischen Umgebung. Gesteinskunde.
  • Menschenkunde: In der 7. und 8. Klasse wird die Ernährung und Gesundheit des Menschen, die Anatomie und die Geschlechtlichkeit des Menschen behandelt.
  • Physik: Akustik, Optik, Wärmelehre, Mechanik, Magnetismus, Mechanik, Elektrizität. Wichtig ist in den naturkundlichen Fächern, dass wir von den erlebbaren Phänomenen ausgehen und entsprechend genaues Beobachten und Beschreiben üben.
  • Chemie: [Dieser Textabschnitt fehlt noch]
  • Geographie: Von der eigenen Region ausgehend, werden nach und nach die verschiedenen Gebiete der Welt betrachtet. Entscheidender Gesichtspunkt ist dabei das Raumgefühl und Interesse für das neben mir liegende. Steiner betrachtete den Geographieunterricht als förderlich für die Entwicklung von „Nächstenliebe“ – ein plausibler Gedanke in unserer globalierten Welt.
  • Geschichte: Hier werden die alten Kulturen, das europäische Mittelalter und die Neuzeit bis zur Gegenwart behandelt.


Der Fächerkanon wird erweitert um:

  • Turnen: An die Stelle des Spielturnens tritt (schon in der 4. Klasse) das „richtige“ Turnen, möglichst mit der Bothmer-Gymnastik als zentralem Element.
  • Musik: In der Unterstufe hatte meistens der Klassenlehrer die Musik in seinen Hauptunterricht integriert. Jetzt übernimmt sie eine Fachlehrkraft. Einzelne Kinder erhalten auch Instrumentalunterricht.
  • Holzwerken: Wir sind zwar von der ersten Klasse an viel mit den Kindern im Wald gewesen, haben dort Hütten gebaut und auch Stöcke geschnitzt. Jetzt aber beginnt der regelmäßige Holzwerkunterricht.
  • Gartenbau: Dem spielerischen Gärtnern der ersten Klassen folgt jetzt der fachliche Gartenbau, in dem die Schüler Arbeitsmethoden erlernen und Verantwortung übernehmen. Im praktischen Tun setzen sich die Schüler mit der Bodenpflege, Aussaat, den Pflegearbeiten, der Ernte und Verarbeitung auseinander. Im Mittelpunkt steht immer die Pflanze und deren Bezug zum Menschen.
  • Hauswirtschaft: Auch gekocht und gebacken haben wir bereits in der Unterstufe. In der 8. Klasse kommt, begleitend zur Ernährungslehre, ein planmäßiger Kochunterricht dazu.

In den Fachunterrichten, wo viel Hilfe durch den Lehrer bzw. den Klassenhelfer erforderlich ist, werden die Klassen meist geteilt, so dass ca. 5 Kinder in einer Gruppe sind.

Höhepunkte zum Abschluss der Klassenlehrerzeit sind

  • die Jugendfeier (siehe unter „Unsere besondere Schule“), zu deren erstmaliger Feier (an einem Sonntag) auch Eltern und Verwandte eingeladen sind, und vor allem
  • das Klassenspiel: In monatelanger Arbeit studiert die 8. Klasse ein Theaterstück ein. Alle Schüler, auch die schwerer behinderten, sind beteiligt. Die Vorbereitungen im Umfeld (Kostüme und Kulissen herstellen, Plakate drucken usw.) bieten eine Fülle von Lernmöglichkeiten und stärken die Gemeinschaftserfahrung. Auch die Eltern werden teilweise eingebunden.

Oberstufe: die Klassen 9 bis 12

Der Unterricht in der Oberstufe soll besonders im Vormittagsblock so angelegt werden, dass er den Jugendlichen eine Berufsorientierung ermöglicht. Hierzu wird der Schwerpunkt auf handwerklichen Unterricht gelegt, in den kulturtechnische (Lesen, Schreiben, Rechnen) und andere fachliche Anforderungen flexibel integriert werden. Die Jugendlichen der 9. bis 12. Klasse lernen mehrere „Gewerke“ intensiv kennen, jedes etwa ein halbes oder ein ganzes Jahr lang, um es darin zu grundlegenden Handfertigkeiten und zu einem grundlegenden Wissen zu bringen. Vorgesehen sind die Bereiche Gartenbau, Holzwerken, Hauswirtschaft, Plastizieren, Pferdekunde, Buchbinden bzw. Papierverarbeitung und Metallverarbeitung.

Der Nachmittag ist auch in Mittel- und Oberstufe weniger für Fächer mit kognitiven Leistungsansprüchen vorgesehen, sondern vorrangig für die praktischen oder musischen Fächer: Turnen, Schwimmen, Chor, Kunst usw.

Die Gewerke

Gartenbau

Als wesentliches Element im Gartenbauunterricht muss die Bewegung angesehen werden. Sie dient der Stärkung des Körperbewusstseins und der motorischen Fähigkeiten. Das Erüben der richtigen Bewegungsabläufe durch Wiederholung reift zur Geschicklichkeit.

Die Wahrnehmung beeinflusst unser Handeln und die kognitiven, sozialen und motorischen Entwicklungsprozesse. Durch gezielte Sinnesschulung, die sich immer wieder im Unterrichtsverlauf anbietet, können wir heilend auf Wahrnehmungsstörungen unserer Schüler wirken. Das bedeutet, dass in jeder Unterrichtsstunde eine Zeit vorgesehen wird, in der die Sinne bewusst gepflegt werden.

Im Gartenbauunterricht sind die Schüler für Natur und Gemeinschaft tätig. Sie übernehmen Verantwortung für ihre Umwelt. Durch die Erkenntnis, dass bestimmte Handlungen erst später als Ursache bestimmter Veränderungen erkannt werden, wächst die Verantwortung. Es findet eine Metamorphose im Sozialen statt, die sich positiv auf das Handeln der Schüler gegenüber ihrer Umwelt, aber auch gegenüber ihren Mitmenschen und sich selbst auswirkt.

Hauswirtschaft

Lebenspraktische Dinge – ein etwas abstrakter Begriff – aber genau darum geht es im Hauswirtschaftsunterricht: die Schülerinnen und Schüler in der praktischen Arbeit, vor allem bei der Nahrungszubereitung an die ganze Vielfalt dieser Tätigkeit heranzuführen. Der gemeinsame Einkauf, Lebensmittel und Preise vergleichen, welche Menge brauche ich für soviel Personen, Ernährungslehre, was ist gesund, Küchenhygiene, Ordnung und Sauberkeit, eigene Hygiene, verschiedenste Rezepte aussuchen und kennen lernen, die ganze Vielfalt der Lebensmittelverarbeitung, wie z.B. schneiden, hobeln, schälen, messen, wiegen, backen, braten, kochen, dünsten … Ein wesentlicher Teil des Unterrichts ist das Kochen für andere und mit anderen. Dazu gehören auch ein schön gedeckter Tisch und gute Tischmanieren. Und zum Schluss: Zeit zu haben, die selbst zubereitete Mahlzeit zu genießen. Wir wollen Freude am gemeinsamen Arbeiten haben. Guten Appetit!

Holzgewerk

Neben der künstlerisch-plastischen Gestaltung verschiedener Objekte und Formen aus Holz lernen die Schüler der Oberstufe je nach ihren Möglichkeiten auch exaktes Arbeiten, wie es im Schreinerhandwerk erforderlich ist. Hier ist Gelegenheit, Formen intensiv wahrzunehmen und schöpferisch zu gestalten. Arbeitsvorbereitung und Arbeitsgänge werden schrittweise eigenständig ergriffen, was die Jugendlichen allmählich auf ihr nachschulisches Leben vorbereiten soll. Dem Alter entsprechend haben die Schüler einen angemessenen Entscheidungsspielraum, was sowohl die Wahl als auch die Gestaltung des Werkstückes, aber auch Arbeitsabläufe betrifft. Neben Stein, Metall und Ton ist Holz ein Werkstoff, zu dem die Schüler rasch einen Bezug entwickeln, da seine Entstehung und Herkunft gut nachvollziehbar sind. Dies unterstützt ein gesundes Selbstvertrauen, da die Jugendlichen ein umfassendes Verständnis für ihre selbst geschaffenen Dinge bekommen. Es werden nicht etwa der Herkunft und Herstellung nach unbekannte Materialien in zwingend vorgegeben Schritten zusammengesetzt, sondern der ganze Entstehungsprozess vom Baumstamm zum fertigen Hocker etc. aktiv mit dem eigenen Schönheitsempfinden begleitet und gestaltet.

Schmieden

[Dieser Textabschnitt fehlt noch.]

Plastisch-künstlerisches Gestalten

Im Wechsel von der Unter- zur Mittelstufe haben die Schüler nach und nach gelernt, das kindliche Spielen in handwerkliches Arbeiten zu verwandeln. Die an den verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten gewonnenen Fähigkeiten werden in der Oberstufe weiter vertieft.

Der plastisch-künstlerische Unterricht unterscheidet sich von den verschiedenen handwerklich-künstlerischen Fächern: Zu den fachlich bedingten, streng festgelegten Handlungsabläufen eines Handwerkes kommt als Ausgleich das Element der freien künstlerischen Gestaltung hinzu.

Innerhalb des künstlerischen Unterrichtes wird den Schüler die Möglichkeit gegeben, notwendige handwerkliche Vorgaben mit eigenen Gestaltungsintentionen zu vereinbaren. Das eigene, selbstbestimmte freie Handeln unterliegt auch im Rahmen des plastisch-künstlerischen Gestaltens sinnvollen Regeln eines Handwerks. Die Schüler haben hier die Möglichkeit, eine eigene Idee mit künstlerischem Einfühlungsvermögen in die Tat umzusetzen. Denken, Fühlen und Handeln werden aus eigenem Antrieb zur Schaffung eines künstlerischen Werkes, miteinander in Einklang gebracht.

Die gebräuchlichsten Materialien sind Tonerde, Holz und Stein. In selteneren Fällen werden Metallbleche zu Reliefs verarbeitet, Formen mit Gips abgegossen oder auch Zinngussarbeiten ausgeführt. Modellentwürfe werden gelegentlich auch aus Draht und einer Papier-Kleistermasse gefertigt.

Pferdekunde

Auf einem Hof in der Nähe von Freudenberg lernen die OberstufenschülerInnen nicht nur den Umgang mit Pferden, sondern auch die dazugehörigen Arbeiten wie: Misten, Striegeln, Hufe auskratzen, Umgang mit einigen landwirtschaftlichen Geräten... Die Arbeit mit den Pferden bietet Möglichkeiten für unsere Jugendlichen zur Selbstreflexion und vermittelt ihnen Ruhe durch das gelassene Wesen der großen Tiere.

Zu einzelnen Fächern:

Eurythmie

Als beseelte Bewegung ergänzt sie den Sportunterricht. Sie schult die innere Beweglichkeit, die Fähigkeit, komplexe, sich verändernde Zusammenhänge wahrzunehmen und pflegt das soziale Empfinden durch das Erarbeiten von Gruppenformen.

Verschiedenste Aspekte des inneren und äußeren Bewegungsvermögens stehen bei den Übungen im Vordergrund:

  • Spannung und Lösung
  • Anregung und Beruhigung
  • Konzentration
  • Raumorientierung
  • Gedächtnisstärkung
  • Willensstärkung

Daher übt die Eurythmie einen gesunden, harmonisierenden Einfluss auf den sich entwickelnden Menschen aus.

Kunst und Kunstgeschichte

Im Rahmen der verschiedenen Fächer innerhalb der bildenden Kunst wird neben dem plastischen Gestalten auch Malerei und graphisches Gestalten unterrichtet. Kunstgeschichte kommt ab der 9. Klasse als eigenständiges Fach hinzu. Als Höhepunkt und Abschluss des Kunst- und Kunstgeschichtsunterrichtes wird, wie an vielen Waldorfschulen, wenn möglich eine Kunstreise ins Ausland durchgeführt. Neben Zeichnungen, die vor Bauwerken oder Skulpturen angefertigt werden, finden oft Steinbearbeitungskurse während dieser Abschluss-Klassenfahrt statt.

Englisch

Den Jugendlichen der Oberstufe wird ihren Fähigkeiten entsprechend die englische Sprache Nahe gebracht. Vom bildhaften Verständnis themenbezogener Vokabeln bis zum Schreiben von Kurzgeschichten.

Förderunterricht

Im Förderunterricht verteilen sich einmal wöchentlich alle Schülerinnen und Schüler auf Gruppen, in denen verschiedene Angebote gemacht werden.

Wahrnehmungsförderung

Die Natur bietet ein großes Feld an Wahrnehmungsmöglichkeiten. Wir stehen als ich-bewusste Menschen inmitten dieses riesigen Feldes. Eine differenzierte Welt von Blütenfarben, Blattformen, Gerüchen, Temperaturen und Geräuschen tritt uns hier entgegen. Unsere Sinnesorgane nehmen all diese Dinge um uns herum wahr. Mit unserem Verstand versuchen wir diese chaotische Welt der Wahrnehmungen zu ordnen und zu durchdringen, um schließlich das Denken zu aktivieren. Wahrnehmen erweist sich hier als die Vorstufe des Denkens. Die Sinnesorgane und die Wahrnehmung stehen am Beginn jeden Handelns und Erlebens des Menschen. Durch eine Förderung der Wahrnehmung werden Handeln und Empfinden gefördert.

Lebenspraxis

In den Unterrichtseinheiten „Lebenspraxis“ haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Erfahrungen und Übungen zu machen, für die sonst in diesem Umfang in den gemeinsamen Stunden kein Raum ist, die aber gerade an die individuellen Möglichkeiten anknüpfen und diese fördern. Dazu einige Beispiele: Es wird der Umgang mit Zahlen an einfachen Würfelspielen geübt, im gemeinsamen Singen das Hören auf die Anderen und die Beteiligung an der Gemeinschaft. Weitere Förderziele sind beispielsweise die Orientierung im Raum, das Zuordnen von Klängen oder Geräuschen zu bestimmten Vorgängen, Koordinations- und Gleichgewichtsübungen wie Klettern oder Balancieren oder sonstige gemeinsame Arbeiten.

Computerkunde

Computer sind in beruflichen wie privaten Bereichen allgegenwärtig und wirken immer stärker in das tägliche Leben hinein. Das schafft neue Möglichkeiten, aber auch neue Abhängigkeiten. Diese Entwicklung bedarf vor allem für Schüler mit besonderem Förderbedarf einer pädagogischen Begleitung. Ein Schwerpunkt im Unterricht ist die Sicherheit im Internet, insbesondere das Verhalten in sozialen Netzwerken. Bei der Erforschung von Möglichkeiten, die über das Spielen am PC hinausgehen, beschäftigen sich die Schüler intensiv mit der Textverarbeitung und der Erstellung einer Bewerbung mit Lebenslauf.

Praktika

Die Oberstufenschüler nehmen an folgenden Praktika außerhalb der Schule teil:

Forstpraktikum

Beim Forstpraktikum stehen aktiver Naturschutz und praktische Waldpflege im Vordergrund. Unter fachkundiger Anleitung werden mit den Schülern Waldarbeiten durchgeführt und Biotope gepflegt.

Landwirtschaftspraktikum

Die Schüler können sich intensiv durch die Mitarbeit in einem landwirtschaftlichen Betrieb mit der Urproduktion, der Landschaftspflege und der Erde befassen. Während dieser Zeit arbeiten sie auf einem Bauernhof und gewinnen dort Einblicke in das Arbeits- und Erwerbsleben in seiner ursprünglichen Form.

Betriebspraktikum

Nach den gemeinsamen Praktika in Wald und auf dem Feld folgt in der 11. Klasse ein individuell gestaltetes Betriebspraktikum. So kann der Schüler Erfahrungen in Werkstätten, Handwerks- oder Industriebetrieben sammeln. Eine wichtige Erfahrung ist dabei die Zusammenarbeit mit anderen Menschen.

Klassenspiel / Jahresarbeit

In der 12. Klasse steht es dem Klassenlehrer frei, ein Klassenspiel einzustudieren oder die Schüler eine Jahresarbeit erstellen zu lassen.

Klassenspiel

Bei der Erarbeitung eines Schauspiels in der 12. Klasse erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, vieles von dem, was sie in ihrer 12-jährigen Schulzeit gelernt haben, anzuwenden und zu zeigen. Dabei geht es um die Entwicklung jedes einzelnen Schülers durch seine Rolle und um die Entwicklung eines gemeinsamen Werkes durch die Klassengemeinschaft. Welche Fähigkeiten habe ich und wie kann ich sie zum Gelingen des Ganzen einsetzen? Passt die Rolle, die ich mir wünsche, wirklich zu mir; kann ich sie ausfüllen, oder ist jemand anderes besser dafür geeignet, und ich überlasse sie ihm ohne Groll? Kann ich Kritik an mir und meinem Spiel aushalten und Verbesserungsvorschläge umsetzen? Kann ich selber Kritik so anbringen, dass sie den anderen weiterbringt und nicht verletzt? An solchen und ähnlichen Fragen und an entsprechenden Erlebnissen wachsen die Jugendlichen. Aber nicht nur soziale Kompetenzen werden bei einem Klassenspiel erweitert. Auch Fähigkeiten wie das Verstehen, Auswendiglernen und gute Sprechen eines Textes, das Verständnis für verschiedene Charaktere, die Verwandlung eines Rollentextes in lebendiges Bühnenspiel, das praktische Anfertigen von Kostümen, Kulissen und Plakaten sind gefragt und werden weiterentwickelt. Wenn die Jugendlichen schließlich selbstbewusst und mutig ihre Rolle auf der Bühne spielen, haben wir die Hoffnung, dass wir mit Hilfe unserer Erziehung starke Persönlichkeiten ins Leben entlassen.

Die Jahresarbeit / künstlerischer Abschluss

Im Gewerk sollen die Schüler im Zeitraum eines Jahres eine Jahresarbeit erstellen. Die Jahresarbeit besteht aus einem praktischen Teil, einem schriftlichen Teil und der öffentlichen Darstellung (je nach individuellen Möglichkeiten). Die Themenwahl erfolgt in Absprache mit der Oberstufenkonferenz und dem Gewerklehrer, der den Prozess der Jahresarbeit in seinen verschiedenen Phasen begleitet.

Die Berufspraxisstufe

In einer Berufspraxisgruppe im Anschluss an die 12. Klasse können gegebenenfalls Jugendliche, die nach § 19 Abs. 9 SchulG zu einer Schulzeitverlängerung berechtigt sind (Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung), besonders auf das nachschulische Leben vorbereitet werden. Ob eine solche Gruppe in einem Schuljahr eingerichtet wird, hängt von den Gegebenheiten ab, vor allem aber davon, ob durch diese Maßnahme tatsächlich individuelle Fortschritte erreichbar sind. In der Regel sind unsere Schülerinnen und Schüler nach unserer durchkonzipierten 12jährigen Schulzeit reif genug, um „ins Leben“ zu gehen. Sie sollten keine „Warteschleifen“ absolvieren. Die Maßnahme kann aber für einzelne junge Erwachsene durchaus den Übergang in das Berufsleben erleichtern.

Was kommt nach der Schule?

Die Orientierung auf die Zeit nach der Schule durchzieht unsere Pädagogik und unser Schulleben. Alle Lehrinhalte sind letztlich darauf ausgerichtet, dass wir unsere Schülerinnen und Schüler als lebenstüchtige, selbstbewusste junge Erwachsene entlassen dürfen, die ihren Platz im Leben finden können.

Aber wo ist der richtige Platz? Unsere Gesellschaft unterscheidet den ersten, regulären Arbeitsmarkt vom zweiten, öffentlich unterstützten Arbeitsmarkt, zu dem neben den bisherigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) unter anderem die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) gehören.

Um einen Arbeitsplatz – oder zunächst den entsprechenden Ausbildungsplatz – auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden, müssen sich unsere Schulabgänger der Konkurrenz mit ihren Altersgenossen stellen – oder potentielle Arbeitgeber anders überzeugen. Eine weitere Möglichkeit ist die Inanspruchnahme von Arbeitsassistenz.

Die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) bieten Arbeitsplätze in geschütztem Rahmen in sehr verschiedenen Arbeitsbereichen. Neben den traditionellen einfachen Montagearbeiten für die Industriezulieferung gibt es heute viele Außenarbeitsplätze oder Außenarbeitsgruppen z.B. im Gartenbau, in der Gastronomie oder im Handwerk.

Die Frage, welcher Abschluss an unserer Schule erreicht werden kann, richtet sich natürlich nach den individuellen Leistungen des betreffenden Jugendlichen. Der Abschluss sollte, angesichts der Konkurrenz einerseits und der Alternativen andererseits, nicht überbewertet werden. Der Wunsch nach dem Hauptschulabschluss wird kontraproduktiv, wenn er über übertriebenen Leistungsdruck zu Lernblockaden führt. In diesem Spannungsfeld bieten wir unseren Jugendlichen folgende zwei Möglichkeiten:

  • Zum Abschluss der 12. Klasse erhält jeder Schüler ein schuleigenes ausführliches Berichtszeugnis, das die erreichten Leistungen dokumentiert.
  • Als staatlich anerkannten Schulabschluss bieten wir den einfachen Hauptschulabschluss („Hauptschulabschluss nach Klasse 9“) an. Der Hauptschulabschluss wird ohne zentrales Prüfungsverfahren erworben. Nach einer vom Klassenlehrer verfassten Abschlussprüfung, der die Inhalte in Deutsch und Mathematik aus den vergangenen zwei Jahren zugrunde liegen, wird dieser Abschluss in Form eines Notenzeugnisses erteilt. Die Noten beziehen sich auf die schriftlichen und mündlichen Leistungen des Schülers des vergangenen Jahres und werden nach den allgemeinen Richtlinien (Richtlinien und Beispielplan für die Schule für Lernbehinderte in NRW) erteilt. Zudem ist ein Vermerk über den erteilten Unterricht in einer Fremdsprache in den letzten beiden Jahren notwendig,. Dieses Notenzeugnis wird der Bezirksregierung zugesandt und von dort mit einem Gleichwertigkeitszertifikat versehen.

Wichtig ist uns die langfristige Vorbereitung auf die zu treffenden Entscheidungen. Diese Vorbereitung ist auf enge Kooperation des betreffenden Jugendlichen, vor allem aber natürlich seiner Erziehungsberechtigten, mit uns sowie mit verschiedenen Organisationen (z.B. Integrationsfachdienst) angewiesen. Zu dieser Vorbereitung gehört:

  • Auf einem Sonder-Elternabend in der jeweiligen 7. Klasse wird der Ablauf der Oberstufe und die Vorbereitungen auf den nachschulischen Bereich erörtert. Dazu wird ein Mitglied der Oberstufenkonferenz gesondert auf dem Elternabend sprechen.
  • In der Klasse 10 finden sogenannte individuelle „Schullaufbahngespräche“ statt. In ihnen werden (unter teilweiser Einbeziehung des jeweiligen Jugendlichen) der bisherige Werdegang des Schülers, die momentane Situation, der Verlauf in der Oberstufe und die verschiedenen nachschulischen Möglichkeiten besprochen. Hier kann im Einzelfall auch schon die Entscheidung zum Anstreben des Hauptschulabschlusses getroffen werden.
  • In den Klassen 11 und 12 werden im Rahmen von Elternabenden Vertreter von Einrichtungen und Organisationen (u.a. Agentur für Arbeit, Integrationsfachdienst, WfbM-Einrichtungen) eingeladen, um die Möglichkeiten für die Schüler darzustellen und für Fragen zur Verfügung zu stehen.
  • Generell gibt es öfters Gelegenheiten, nachschulische Einrichtungen kennen zu lernen. Wir weisen in der Wochenpost auf entsprechende öffentliche Veranstaltungen hin. Auch von Eltern oder Lehrern organisierte gemeinsame Exkursionen werden angeboten.
  • Die oben erwähnten Praktika im Lauf der verschiedenen Jahre bieten die Möglichkeit für die Jugendlichen, die eigenen Kräfte im Hinblick auf spätere Tätigkeit zu erproben sowie (insbesondere im Betriebspraktikum) entsprechende konkrete Kontakte zu knüpfen. Das Betriebspraktikum sollte diesbezüglich von Eltern und Lehrern begleitet und nachbereitet werden.
  • Wir stehen in ständigem freundschaftlichen Austausch insbesondere mit zwei anthroposophisch orientierten nachschulischen Einrichtungen in unserer Region: mit der aus unserer Elternschaft hervorgegangenen ländlichen Einrichtung Hand in Hand e.V. in Bad Berleburg-Aue, sowie mit der Lebensgemeinschaft Eichhof in Much (Bröltal).

Ein Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt (gegebenenfalls mit Arbeitsassistenz) und ein selbstständiges Wohnen ist sicherlich nicht für jeden unserer abgehenden Jugendlichen die optimale Lösung. Für viele unserer Abgänger bieten die waldorfpädagogisch-anthroposophisch orientierten Einrichtungen passende Wohn-, Arbeits- und Lebensorte. Die Einrichtungen in Deutschland sind beim Verband für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit e.V. verzeichnet.

Inklusion und Waldorfpädagogik

Aus den bisherigen Ausführungen zum Schulkonzept ergibt sich schon, dass wir unsere Pädagogik und Konzeption am Kind orientieren. Diese Orientierung am Kind und seinem Wohl ist das wichtigste Kennzeichen der Waldorfpädagogik. Das gilt für Regel-, Förder- und „inklusive“ Waldorfschulen, für Kinder mit und ohne „Behinderungen“. Wie im Abschnitt über „unsere besonderen Kinder“ angedeutet, hat bereits Rudolf Steiner der defizit-orientierten Sichtweise auf Menschen mit Behinderung klar widersprochen und war damit seiner Zeit weit voraus. Denn noch lange nach ihm wurde Behinderung als etwas Minderwertiges betrachtet.

Erst im Jahre 2006 wurde die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (BRK) beschlossen. In diesem Dokument werden die allgemeinen, für alle Menschen geltenden und „unteilbaren“ Menschenrechte noch einmal – bezogen auf Menschen mit Behinderungen – formuliert und spezifiziert. Das Anliegen der BRK ist einerseits, dass die allgemeingültigen Menschenrechte niemandem wegen seiner Behinderung vorenthalten werden dürfen. Auf der anderen Seite verpflichtet sie dazu, die besonderen Bedürfnisse des je individuellen Menschen mit Behinderung zu beachten und zu erfüllen, damit er in den „vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten“ kommt.

Der wahrnehmende Blick auf den individuellen Menschen, auf das einzelne Kind, und die universelle Achtung vor seiner Würde vereint die Waldorfpädagogik und die BRK.

Um eine entsprechende, ganz am Kind orientierte Pädagogik zu verwirklichen, gehörte zur Waldorfschule von Anfang an der von ihr beanspruchte Rahmen eines „freien Geisteslebens“, d.h. der pädagogischen Unabhängigkeit von staatlichen Bestimmungen. Denn Schule darf aus unserer Sicht niemals der Durchsetzung von gesellschaftspolitischen Ideen – oder Ideologien – dienen.

Die gegenwärtige Debatte über „Inklusion“ hat, typischerweise auf den Schulbereich zugespitzt, solch ideologische Züge, wo sie die Orientierung am Individuum verliert. Bestimmte gesellschaftliche Gruppierungen missbrauchen geradezu die UN-Behindertenrechtskonvention, indem sie aus der unteilbaren Einheit der dort formulierten Menschenrechte allein das Recht auf Teilhabe herausfiltern. Indem so die Rechte auf Selbstbestimmung und auf Bildung ausgeblendet werden, wird das Recht ins Gegenteil verkehrt: zum Zwang, eine ausschließlich mögliche „Eine Schule für alle“ zu besuchen. Unter diesem Zwang aber bleibt natürlich auch die wirkliche, dem Bedürfnis des Einzelnen entsprechende Teilhabe auf der Strecke.

Wir verwahren uns gegen solche Ideologie und gegen die – absolut nicht aus der BRK ableitbare – absurde Ansicht, Förderschulen seien ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Wir befürworten die eigentlich selbstverständliche, auch im Grundgesetz der Bundesrepublik gesicherte Wahlfreiheit der Eltern, und zwar in beiden Richtungen: diese sollen, am Wohl des Kindes orientiert, entscheiden, welche Schule die richtige für ihr Kind ist. Wir begrüßen, dass die Landesregierung in NRW sich hierzu bekannt hat – und hoffen, dass die konkrete Politik sich an diesem Bekenntnis orientieren wird.

Das Kollegium und der Vorstand hat zu dieser Thematik wiederholt Stellung genommen. Wir halten diese „schulpolitischen“ Ausführungen, mit ergänzenden anderen Materialien zum Thema, auf einer Themenseite vor.

In unserer pädagogischen Arbeit orientieren wir uns nach wie vor, in lebendigem Austausch mit der Rudolf Steiner Schule Siegen, an den Bedürfnissen der uns anvertrauten Kinder.

Weitere pädagogische Akzente unserer Schule

Unsere Bienen

Jede Woche beschäftigt sich eine Schülergruppe intensiv mit den Bienen. Durch verschiedene Spenden ist es gelungen, eine schuleigene Imkerei aufzubauen. Die Imkerschüler lernen unter Anleitung eines erfahrenen „Bienenvaters“ die Geheimnisse der Bienen- und Imkereiwelt kennen und können alle Arbeiten ausführen, die der Imker im Jahreslauf zu tun hat. Im Winterhalbjahr werden Kerzen hergestellt, Beuten – so nennt der Imker die Bienenbehausungen – hergestellt und Rähmchen für die Waben zusammengeleimt und genagelt. Im Sommerhalbjahr wird Rainfarn gesammelt und getrocknet, der für die Raucherzeugung benötigt wird, um einen Einblick ins Innere des Bienenstockes zu gewinnen und die Bienenvölker zu bearbeiten. Die Schüler können beobachten, wie sich ein Schwarm im Baum sammelt, wie dieser dann eingeschlagen wird, wie die Bienen am Flugloch ein- und ausfliegen. Sie sehen die Geburt von Bienen auf der Wabe und wie die heimgekehrten Bienen den anderen durch einen Tanz auf der Wabe mitteilen, wo sie Nektar oder Pollen gefunden haben. Für die Honigernte entdeckeln sie die vollen Zellen der Honigwaben, um sie dann zu schleudern und den frischen, flüssigen Honig in einem großen Behälter aufzufangen. In Gläser abgefüllt wird das flüssige Gold dann im Schülerladen verkauft.

Begleitend zu der interessanten Arbeit wird den Schülern die ökologische Bedeutung der Bienenhaltung und Bienengesundheit nahegebracht – ein hochbrisantes Thema!

Tiergestützte Heilpädagogik

Tiere bereichern den Alltag an der Johanna-Ruß-Schule und unterstützen unsere Pädagogik. Mehrere Hunde und Meerschweinchen leben in den Klassen mit, auf dem Gelände „Alte Heinbach“ arbeiten wir mit Bienen und auf einem Hof in der Nähe von Freudenberg kümmern wir uns um Pferde.

Seit dem 8. Jahrhundert ist der positive Effekt bekannt, den Tiere auf Menschen haben – doch erst seit dem 20. Jahrhundert wird er verstärkt zu pädagogischen und therapeutischen Zwecken eingesetzt. Einer der Pioniere, der Kinderpsychotherapeut Boris Levinson, zog aus jahrelangen Studien das Fazit, „dass besonders Kinder, körperlich Kranke, psychisch gestörte und benachteiligte Menschen unbedingt Tiere um sich brauchen“.

Tiere benötigen viel Aufmerksamkeit, Pflege und Fürsorge des Menschen, der mit ihnen eine empathische Beziehung eingeht. Die Nähe zu Tieren gibt dem Menschen das Gefühl, gebraucht zu werden, regt ihn zu Beobachtungen an und führt zu Erkenntnissen. Das Tier hört zu, wird zum Begleiter, Beschützer, Vertrauten, und es können sich sogar Freundschaften entwickeln. Tiere spiegeln dem Menschen die eigenen Gefühle zurück. Das eigene Selbstkonzept wird verbessert, das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gestärkt.

Das Streicheln von Tieren entspannt und beruhigt, der Stress lässt nach, die Herzfrequenz und der Blutdruck werden gesenkt. Dies wirkt sich positiv auf die Stimmung des Menschen aus und erleichtert es damit, soziale Bindungen und soziale Kompetenzen aufzubauen.

Tiere in der Heilpädagogik unterstützen Kinder und Jugendliche in ihrer Kommunikationsfähigkeit und ihrer gesamten Entwicklung. Tiere nehmen den Menschen vorurteilsfrei an, ohne zu bewerten, und fördern somit die emotionale und soziale Intelligenz des Menschen.

Wir arbeiten meist in kleineren Gruppen von höchstens 5 bis 6 Kindern/Jugendlichen mit den Tieren.

Voraussetzungen sind dabei:

  • natürliches Interesse am jeweiligen Tier
  • keine Aversionen oder Hassgefühle gegenüber den Tieren
  • keine pathologische Angst vor den eingesetzten Tieren
  • keine medizinischen Probleme (z.B. Allergien)

Ziele der tiergestützten Pädagogik:

  • Förderung der psychischen und physischen Gesundheit
  • Entwicklung von sozialer und emotionaler Kompetenz
  • Sensibilisierung für Themen des Tierschutzes und der Tiergesundheit
  • Aufbau eines Umweltbewusstseins und Anleitung zum nachhaltigem Handeln
  • Steigerung der Kommunikationsfähigkeit und Wahrnehmung

Konkret geht es um…

  • Beziehungsaufbau und -gestaltung
  • Anleitung und Begleitung der Kinder
    • beim artgerechten Umgang
    • bei der Versorgung der Tiere
    • im Gruppengeschehen
  • gemeinsame Entspannung durch
    • unmittelbaren Kontakt
    • Streicheleinheiten
    • Pflege
  • Bewegungsförderung durch
    • Spaziergänge
    • Spielen
    • Füttern, Entmisten, Versorgen
  • Übernahme von Verantwortung
    • für sich und das eigene Verhalten (Lautstärke, Bewegungen)
    • für das Bezugstier
    • für die Gruppe
  • Aufgabenerfüllung durch
    • Bewegung des Tieres (artgerechte Haltung)
    • feste Fütterungszeiten (Zuverlässigkeit)
    • Säubern der benutzten Gegenstände, der Unterbringung etc.

Die Schule sorgt in Zusammenarbeit mit den Eltern für Sicherheit im Bereich der tiergestützten Pädagogik durch:

  • Einsatz entsprechend geeigneter Tiere (z.B. Wesenstest bei Hunden)
  • Erfüllung der veterinärmedizinischen Erfordernisse (Impfungen etc.)
  • Tierkontakt der Kinder nur unter Anleitung entsprechend erfahrener Tierhalter
  • direkten Kontakt mit den Eltern (Information über Allergien, Ängste etc.)


Die Therapien

Therapien: Einführung

An unserer Schule werden Schülerinnen und Schüler mit den Förderschwerpunkten „Geistige Entwicklung“, „Lernen“ sowie „Emotionale und soziale Entwicklung“ gemeinsam unterrichtet. Diese Kinder haben meist mit vielfältigen Problemen im leiblichen, seelischen und geistigen Bereich zu kämpfen, die sie in ihrer gesamten Entwicklung behindern.

Meist haben die Schüler bei der Aufnahme an unsere Schule schon diverse Therapien durchlaufen, die sie bis zu einem gewissen Entwicklungsstand geführt haben. Es ist uns wichtig, an unserer Schule solche Therapien anzubieten, die die Gesamtheit des menschlichen Wesens im Blick haben mit dem Ziel, die physischen, seelischen und geistigen Kräfte des Menschen wieder in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen.

Unsere Therapien im Einzelnen

Aufgrund des in der Einführung Gesagten bemühen wir uns, an der Schule immer möglichst mehrere der folgenden Therapieformen anzubieten:

Die rhythmische Massage nach Hauschka/Wegman

Die von den beiden Ärztinnen Margarethe Hauschka und Ita Wegman entwickelte Massage beruht auf der klassischen Heilmassage, arbeitet jedoch zusätzlich noch mit anderen Griffen und Techniken. Die saugenden und rhythmisch schwingenden, streichenden Bewegungen regen die Flüssigkeitsströme im Körper an, um so krankhaft verdichtete und verfestigte Strukturen zu lösen und ins Fließen zu bringen. Diese Therapieform macht körperlich und seelisch durchlässiger, aufmerksamer und wacher. Sie durchwärmt, vertieft die Atmung, bessert Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Erschöpfung, Schmerzen, Verspannungen und viele weitere funktionelle Störungen. Auch wird der Körper anders wahrnehmbar: Es entsteht das Gefühl, versöhnt zu sein mit dem, was ist, eins sein zu können mit dem Leib, auch wenn er äußerlich nicht perfekt ist und sogar, wenn Behinderungen bestehen.

Öldispersionsbäder

Durch den von Werner Junge entwickelten Apparat wird das zum Bad zugegebene Öl so fein zerstäubt, dass es sich als feiner Film stabil um die Wassertröpfchen legt. Diese winzigen Wasser-Öl-Tröpfchen können durch die Haut sehr gut aufgenommen werden, wodurch die jeweils für den Patienten gewählten ätherischen Wirkstoffe in die Blutbahn gelangen. Der Patient wird in Wasser, Wärme und Öl eingehüllt. Diese Wärmehülle stärkt und reguliert auf sanfte Art den körpereigenen Wärmeorganismus und damit die Selbstheilungskräfte und das Immunsystem. Eine Bürstenmassage im Wasser und die anschließende Nachruhe unter wärmenden Decken verstärken die Hautdurchblutung und Leibwahrnehmung. Diese Therapieform ist eine wertvolle Hilfe für die Kinder, die unter einem schwachen Wärmeorganismus leiden, wie es u.a. häufig bei ehemaligen Frühgeborenen der Fall ist.

Die Heileurythmie

Die in den 1920er Jahren von Rudolf Steiner entwickelte Heileurythmie ist eine umfassende Therapieform der anthroposophischen Medizin, die bei akuten und chronischen Erkrankungen, bei kindlichen Entwicklungsstörungen, in der Psychosomatik oder der Psychiatrie sowie in der Prävention erfolgreich angewendet wird. Die Grundelemente der Heileurythmie sind die in Bewegung umgewandelten Laute der Sprache. Vokale und Konsonanten werden in Bewegungen einzelner Gliedmaßen oder des ganzen Körpers umgesetzt. Jeder Laut bzw. jede Bewegung steht in einer bestimmten Wirkungsbeziehung zu den Vorgängen unseres Organismus. So wie sich unsere innere Befindlichkeit in Mimik und Gestik nach außen hin darstellt, wirkt umgekehrt die Heileurythmie von außen nach innen. Bei der therapeutischen Ausübung kommt es auf ein intensives, immer wiederholendes Üben weniger, aber gezielt eingesetzter Lautgebärden an. Es können harmonisierende, anregende, konzentrationsfördernde oder beruhigende Übungen gemacht werden. Verkümmert oder übermäßig wirkende Kräfte können ausgeglichen werden.

Die Chirophonetik

Sie ist eine von dem Logopäden und Heilpädagogen Dr. Alfred Baur entwickelte Therapieform in der anthroposophischen Medizin, die ursprünglich als Sprachbehandlung entwickelt wurde. Sie hat sich aber sehr bald u.a. auch als äußerst wirksam bei entwicklungsgestörten, -verzögerten und unruhigen Kindern erwiesen.

Jeder gesprochene Laut hat eine charakteristische Luftströmungsform, welche bei der Artikulation entsteht, und zwar durch die plastizierende Tätigkeit der Sprachorgane. Diese Luftströmungsformen werden bei der chirophonetischen Sprachheilbehandlung in exakten Massagestrichen auf das Sinnesorgan Haut gestrichen. Während der Patient äußerlich passiv auf der Behandlungsliege liegt, intoniert der Therapeut die entsprechenden Laute zu den jeweiligen Massagestrichen an Rücken, Armen und/oder Beinen.

Die Heilwirkung der Laute wird durch das gleichzeitige Hören und Spüren der Lautform auf der Haut verstärkt. Dadurch wird der Patient innerlich zur Nachahmung – also zur inneren Aktivität – angeregt, was besonders bei Krankheitsbildern erwünscht ist, bei denen man mit Reden oder Anleiten meist nichts erreicht, zum Beispiel bei Autismus, verzögertem Spracherwerb, Stottern, Hyperaktivität, Bettnässen, Anfallsleiden usw.

Die künstlerischen Therapien

Zu ihnen gehören

  • das therapeutische Malen und Zeichnen
  • das therapeutische Plastizieren
  • die Musiktherapie
  • die therapeutische Sprachgestaltung.

Der geleitete Umgang mit künstlerischen Mitteln und Prozessen aus den oben genannten Bereichen ermöglicht den Schülern einen besseren Zugang zu ihren Gefühlen und verbessern ihre Selbstwahrnehmung. Das Identitätserleben mit dem eigenen Werk und Wesen stärkt das Selbstvertrauen und den Selbstausdruck und lässt neue Begegnungsfähigkeit entstehen. Durch den Umgang mit Formen, Farben, Tönen, Melodien, Rhythmen oder Sprache werden über das seelische Erleben die funktionellen Abläufe des Organismus beeinflusst. So können die künstlerischen Therapien Schülern, die einerseits zu verfestigt, innerlich verkrampft und ängstlich oder andererseits zu stark gelockert, haltlos und unruhig sind, helfen, ihr inneres Gleichgewicht wieder zu finden.

Die Reittherapie

Sie richtet sich an Menschen mit Entwicklungsbedarf im motorischen, emotionalen, kognitiven oder sozialen Bereich. Der Einsatz des Pferdes als Medium mit hohem Motivationscharakter bietet vielfältige Fördermöglichkeiten. Das Pferd dient dabei als: Medium zur Anbahnung von Kontakt und Kommunikation; spielerisches Gegenüber bei der Wahrnehmungs- und Bewegungsschulung (Senso- und Psychomotorik); tragender Partner, der seinen Körper und seine Sinne zur Verfügung stellt (basale Stimulation, Nähe); verlässlichen und wertfreien Spiegel (Eigenwahrnehmung, Selbstwert); Empfänger von Fürsorge und kompetentem Umgang (Soziales Lernen, kognitives Training); Katalysator für die Auseinandersetzung mit Neuem und die Erweiterung der eigenen Grenzen.

Die Rotatherapie

Diese neurophysiologische Übungsbehandlung zielt in sehr sanfter Weise auf eine Harmonisierung des Muskeltonus des Organismus und damit auf die Nachreifung der motorischen Fähigkeiten. Diese sind ein sehr wichtiges Fundament für die gesamte weitere Entwicklung des Kindes. Je stabiler die Basis ist, desto besser können sich die anderen Entwicklungsbereiche wie Wahrnehmung, Sprache und Denken entfalten.

„Rota“ leitet sich von dem Begriff Rotation her und beschreibt das wesentliche Element der Übungen, in denen es um die Drehung des eigenen Körpers im Raum und um die Verdrehung der Wirbelsäule um ihre Längsachse geht. Die Übungen werden nach Anleitung durch den Therapeuten von den Eltern (zu Hause) oder gegebenenfalls von dem Klassenhelfer mit dem Schüler durchgeführt.

Zur Finanzierung der Therapien

Die genannten Therapien werden fast ausnahmslos nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, so dass sie zum größten Teil durch einen solidarischen Therapiebeitrag der Elternhäuser finanziert werden. Davon werden die Therapeuten und die Schulärztin, die von Eltern und Lehrern beratend hinzugezogen werden kann, bezahlt.

Wünschenswert ist, dass mit jedem Schüler alle 2 bis 3 Schuljahre eine Therapieeinheit von 10 bis 12 Wochen durchgeführt werden kann, um in den verschiedenen Entwicklungsphasen jeweils neue Impulse setzen zu können.

Da die verschiedenen Therapieformen jede für sich sehr vielseitig einsetzbar sind, hängt die Verteilung der Therapiekontingente vor allem von den zur Verfügung stehenden Therapeuten und den finanziellen Mitteln ab.

Die Umsetzung der Therapien

Alle Schüler/innen können von den Eltern oder den Klassenlehrer/innen in Absprache mit den Eltern für eine Therapie angemeldet werden. Die Anmeldung ist schriftlich an den Schularzt zu richten, der daraufhin, soweit noch nicht geschehen, den/die Schüler/in untersucht. Anschließend wird durch die Mitglieder des Therapiekreises gemeinsam entschieden, welche Therapie er/sie erhalten soll.

Die Heileurythmie, Chirophonetik und Rota-Therapie sind für eine tiefgreifende und anhaltende Wirkung wesentlich darauf angewiesen, dass die Eltern die angeleiteten Übungen zu Hause fortführen.


Die Sozialgestalt

Was heißt „Sozialgestalt“?

Unsere Schule ist, wie jede Waldorfschule in Deutschland, eine Schule in freier Trägerschaft. Die Pädagogik, aber auch die Verwaltung und die wirtschaftliche Verantwortung für den gesamten Schulkomplex liegt nicht in der Hand öffentlicher Körperschaften (meist Kommune als Schulträger; Land als Schulaufsicht, Personalkostenträger und Gestalter der Unterrichtsvorgaben), sondern in der Verantwortung einer lokalen Gemeinschaft, die nicht privatwirtschaftliches Gewinninteresse verfolgt, sondern als gemeinnütziger Verein organisiert ist, genauer gesagt als zwei Vereine. Denn die Bestimmungen zur Refinanzierung von Schulgebäuden im NRW-Schulgesetz legen nahe, dass es einen Förderverein als Eigentümer und einen Trägerverein als Mieter gibt. Diese Trennung hat also einen äußerlich-juristischen Grund. Was wir als einheitliche Schulgemeinschaft meinen, drückt sich dann auch im gemeinsamen Tagen von Mitgliederversammlung und Vorstand aus.

Wie aber laufen Entscheidungsfindungsprozesse in diesen eher von außen gegebenen Strukturen?

Die „Erfindung“ der Waldorfschule im Jahr 1919 war nicht nur eine pädagogische, sondern auch eine soziale Innovation, die bis heute wirkt und zukunftsträchtig ist. Sie geschah im Zusammenhang mit Steiners Ideen zur „Dreigliederung des sozialen Organismus“. Mit diesen Ideen wollte Steiner nach der Katastrophe des 1. Weltkrieges Perspektiven auf eine positivere soziale Zukunft eröffnen. Ein Element seiner Konzeption war die Forderung nach einem „freien Geistesleben“. Dies bedeutet, dass in allen Lebensbereichen, wo die Kreativität von Menschen gefragt ist, die Strukturen so gestaltet werden müssen, dass diese Kreativität sich auch ausleben kann. Denn Kreativität ist etwas anderes als das egoistische Verfolgen eigener Interessen und verwirklicht sich meist als soziale Intelligenz.

Die Waldorfschulen sind Orte, an denen versucht wird, diese Kreativität zu leben. Oberstes Prinzip in allen pädagogischen und sonstigen Aufgabenfeldern einer Gemeinschaft ist: Wer eine Aufgabe übernimmt und von der Gemeinschaft das entsprechende Vertrauen erhält – wofür u.a. seine Kenntnis der wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen unerlässlich ist –, hat auch die Entscheidungskompetenz in diesem Aufgabenbereich. Dies kann sich auf „Ämter“ einzelner Personen beziehen; doch meistens sind es Gremien bzw. „Kreise“, die die Vorzüge gemeinschaftlichen Arbeitens nutzen. Innerhalb solcher Kreise wird meist das Prinzip der sogenannten „Einmütigkeit“ angewendet: da es nicht um Macht und Eigeninteressen, sondern um das Gelingen des Ganzen geht, wird bei Meinungsverschiedenheiten nicht vorschnell abgestimmt, sondern versucht, einen Konsens zu erreichen, dem jeder aus wirklich freiem Herzen zustimmen kann. Wer dabei nachgibt, übt die Kraft der „produktiven Resignation“ (Stefan Leber) und ist mit ihr weiterhin am Ganzen verantwortlich beteiligt.

So verstehen sich Waldorfschulen als selbstverwaltete, nicht-hierarchische Gemeinschaften. Steiner sprach das bei der Gründung der ersten Waldorfschule, am Vorabend des Kurses über „Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“, gegenüber dem Kollegium so aus: „Jeder muss seine volle Persönlichkeit einsetzen von Anfang an. – Deshalb werden wir die Schule nicht regierungsgemäß, sondern verwaltungsgemäß einrichten und sie republikanisch verwalten. In einer wirklichen Lehrerrepublik werden wir nicht hinter uns haben Ruhekissen, Verordnungen, die vom Rektorat kommen, sondern wir müssen hineintragen [Unklarheit im Stenogramm: in uns tragen?] dasjenige, was uns die Möglichkeit gibt, was jedem von uns die volle Verantwortung gibt für das, was wir zu tun haben. Jeder muss selbst voll verantwortlich sein. – Ersatz für eine Rektoratsleistung wird geschaffen werden können dadurch, dass wir diesen Vorbereitungskurs einrichten und hier dasjenige arbeitend aufnehmen, was die Schule zu einer Einheit macht. Wir werden uns das Einheitliche erarbeiten durch den Kurs, wenn wir recht ernstlich arbeiten.“

Dies ist mit „Sozialgestalt“ gemeint.]] Was Steiner hier auf das Lehrerkollegium von 1919 bezog (die erste Waldorfschule wurde wirtschaftlich noch von der Zigarettenfabrik „Waldorf-Astoria“ getragen), gilt für die Schule insgesamt: „was die Schule zu einer Einheit macht“, entspringt der Orientierung aller Beteiligten an den Zielen der Waldorfpädagogik. In diesem lebendigen Organismus gibt es keinen Schulleiter. Zur Vertretung der Schule nach außen benennt das Kollegium der Johanna-Ruß-Schule zwei Vertreter als Schulsprecher.

Die genannten Aspekte spiegeln sich in § 6 und §7 der Satzung unseres Trägervereins:

§ 6 Grundsätze der Pädagogik
(1) Ausgehend von der Tatsache, dass das gesamte Leben heute von einer Pluralisierung und Individualisierung gekennzeichnet ist, zentrale Orientierungen ihre Richtkraft verlieren und bewährte soziale Formen zerbrechen, wollen die im Verein zusammengeschlossenen Erziehungsberechtigten sowie die Lehrer/innen und Mitarbeiter/innen der Johanna-Ruß-Schule eine Gemeinschaft bilden, die es Kindern, die besonderer pädagogischer Betreuung bedürfen, ermöglicht, ihre Persönlichkeit voll zu entfalten.
(2) Grundlage dafür ist eine intensive Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus. Erziehungsberechtigte sowie Lehrer/innen und Mitarbeiter/innen finden sich schicksalhaft zusammen und sind aufgefordert, miteinander zu lernen und um die richtigen Wege zu ringen.
(3) Die Arbeit der Gemeinschaft hat ihre Grundlage in der Waldorfpädagogik Rudolf Steiners, im Prinzip des praktischen Lernens, der anthroposophisch erweiterten Medizin und in den Grundprinzipien der Gemeinschaftsbildung:
* in einer vertrauensvollen, den andern achtenden Grundhaltung,
* im Üben des Zuhörens im Gespräch,
* im Vermeiden vorschneller Urteile.
§ 7 Grundsätze der Selbstverwaltung
(1) Die Teilnahme an der Mitarbeit im Schulleben soll Erziehungsberechtigte, Lehrer/innen und Mitarbeiter/innen befähigen, am Gemeinwohl mitzuwirken. Mitarbeit in Arbeitskreisen heißt, sich verbinden mit einer Teilaufgabe, die das Ganze betrifft. Dieses Sichverbinden bringt ein intensives Erleben des Ganzen in seiner zukünftigen Gestalt. Die gegenseitige Wahrnehmung der Arbeit des Anderen setzt Vorurteilslosigkeit und Bescheidenheit im Umgang voraus. So entsteht gemeinsames Gespräch. Vielfach neue Entwicklungen können wachsen und Entscheidungen bewusst, mutig und verantwortungsvoll gefällt werden.

Im folgenden werden die einzelnen Gremien vorgestellt, die es im Schulorganismus der Johanna-Ruß-Schule gibt. Entsprechend zu den genannten Gesichtspunkten ist die strukturelle Verbindung zwischen ihnen nicht hierarchisch, sondern netzwerkartig. Wir beginnen aber mit einer Darstellung dessen, wie die Mitarbeit der Eltern an unserer Schule zu verstehen ist. Denn sie tragen die Schule entscheidend mit.

Eltern sein an der Johanna-Ruß-Schule

Elternteil an der Johanna-Ruß-Schule zu sein, kann sich nicht darauf beschränken, sein Kind einfach bei uns abzuliefern. Als Schule in freier Trägerschaft sind wir auf das Engagement der Eltern angewiesen, denn wir sitzen alle in einem Boot.

Das fängt nicht erst bei der notwendigen finanziellen Beteiligung an. Am wichtigsten ist zunächst, dass Eltern spürbar hinter der Schule stehen – spürbar vor allem für das Kind! Es ist von großer pädagogischer Wirkung, wenn das Kind fühlt, dass die Schule, auf die es geht, von seinen Eltern gewollt wird.

Das bedeutet nicht, dass Eltern plötzlich selbst überzeugte Waldorfpädagogen werden müssen. Es handelt sich um eine innere Entscheidung, die sich ausdrückt im Interesse gegenüber dem Geschehen an der Schule. Dieses Interesse wird sich nicht „egoistisch“ nur aufs eigene Kind beziehen, denn das hilft dem Kind nicht. Wichtig ist, dass das Kind die Solidarität der Erwachsenen spürt, denn das gibt ihm Sicherheit. Die größte Hilfe gerade für ein Kind mit Behinderung ist das Vertrauen der Erwachsenen in seine Zukunft – und als Basis für eine sinnvolle Beschulung bei uns sollte es das Vertrauen in unsere Schule sein.

Und dieses Vertrauen ist nichts Passives. Wir haben an unsere Schule keine speziellen Elternmitwirkungsgremien (z.B. Elternbeirat) und auch kein Vertrauensgremium – warum? Weil viele Gremien und der Schulbetrieb auf Schritt und Tritt damit rechnen, dass Eltern sich produktiv einbringen, auch kritisch nachfragen und mitdenken.

Die wichtigsten Stellen, wo Eltern sich einbringen sollten:

  • Elternseminar: Auf dieser jährlich an einem Samstag im Frühjahr stattfindenden Veranstaltung haben Eltern die Gelegenheit, die Pädagogik unserer Schule praktisch kennenzulernen. Eine Auswahl von Unterrichtselementen wird konkret mit den Eltern ausprobiert, z.B. Formenzeichnen, Eurythmie, Plastizieren und vieles mehr. Nicht zu unterschätzen ist auch die Möglichkeit, sich mit Eltern auszutauschen, die ihr Kind bereits an der Schule haben. Alle Eltern sollten dies Seminar einmal besucht haben.
  • Mitteilungsbuch: Der tägliche Informationsaustausch läuft, zumindest in den unteren Klassen, über ein Mitteilungsbuch, das per Ranzen hin und her geht. Diese Möglichkeit sollte gerade bei Kindern, die nicht gut kommunizieren können, gut beachtet werden.
  • Elternabende: Mehrmals im Schuljahr finden in jeder Klasse Elternabende statt. Sie dienen dem Austausch zwischen Eltern und Lehrkräften der Klasse, aber auch der Eltern untereinander. Die Teilnahme der Eltern ist sehr wichtig, denn die Kinder spüren stark das Engagement der Eltern.
  • Monatsfeiern: Diese Feiern, bei denen die Kinder auf der Bühne zeigen, was sie gelernt haben, finden meist am letzten Schultag vor den Ferien statt – für die meisten Eltern in ihrer Arbeitszeit. Für die Kinder ist es natürlich ein großartiges Erlebnis, wenn die Eltern zuschauen können.
  • Feste: Beim Sommerfest, Martinsmarkt, Aufführungen des Christgeburtspiels und anderen Gelegenheiten haben die Eltern die Möglichkeit, dabei zu sein. Beim Martinsmarkt ist die Mitwirkung der Eltern unumgänglich, denn sonst kann diese Veranstaltung nicht gestemmt werden.
  • Arbeitskreise: Die meisten der Arbeitskreise sind so aufgestellt, dass die Mitarbeit von Eltern sehr erwünscht ist.
  • Vorstand: Der gemeinsame Vorstand sollte etwa paritätisch durch Eltern und Lehrer besetzt sein. Er ist ein wichtiges Elternmitwirkungsgremium, denn hier werden wichtige Entscheidungen getroffen. Die im Vorstand tätigen Eltern stehen auch besonders als Ansprechpartner bei Konflikten zur Verfügung.
  • Mitgliederversammlung und Gesamtkonferenz: Bei diesen Veranstaltungen im Plenum bekommt man einen guten Überblick über die Themen der Schule und kann seine Anliegen einbringen.
  • Aufrufe in der Wochenpost: Häufig wird über die Wochenpost um kleinere oder größere Hilfsleistungen gebeten.

Finanzielle Beteiligung

Eine finanzielle Beteiligung der Eltern ist an unserer Schule unumgänglich. Als Schule in freier Trägerschaft werden wir zwar zum großen Teil durch das Land NRW refinanziert. Es bleibt jedoch ein erheblicher Eigenanteil an den laufenden Schulkosten, der von der Elterngemeinschaft solidarisch aufgebracht werden muss. Schon im Grundgesetz ist vorgeschrieben, dass beim Betrieb einer freien Schule „eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert“ werden darf. Das entspricht absolut unserem Verständnis von Elternsolidarität. Kein Kind wird von unserer Schule abgelehnt, weil die Eltern es sich nicht leisten könnten. Unabhängig von der pädagogischen Entscheidung über die Aufnahme eines Kindes, und erst danach, führt ein Elternvertreter mit den neu hinzukommenden Eltern ein Gespräch über ihren Kostenbeitrag. Hierbei gelten grobe Richtlinien (s.u.), doch gilt das Prinzip der Selbsteinschätzung. – Wichtig ist natürlich: es gibt einige Kosten, die an jeder anderen Schule auch zu bezahlen sind, etwa für Lernmittel und das Mittagessen. Auch im finanziellen Bereich ist Ehrlichkeit und Vertrauen für uns von hoher Wichtigkeit.

Ein Merkblatt über die zu erwartende Kostenbeteiligung erhalten die Eltern während des Aufnahmeverfahrens.

Die Arbeitskreise

Die Zusammensetzung und die Aufgabe der Arbeitskreise ist in § 12 der Satzung des Trägervereins geregelt:

§12 Arbeitskreise

(1) Die Arbeitskreise sind Teil der Selbstverwaltung der Schule. In ihnen arbeiten Erziehungsberechtigte sowie Lehrer/innen und Mitarbeiter/innen der Schule zusammen mit dem Ziel, die Teilbereiche der Selbstverwaltung, die dem jeweiligen Arbeitskreis zugeordnet sind, zu beraten und zu gestalten.

(2) Aus den Notwendigkeiten des Schullebens heraus bilden sich die Arbeitskreise. Sie werden satzungsgemäßes Organ durch Bestätigung seitens der Gesamtkonferenz und des Vorstandes.

(3) Jeder Arbeitskreis bestimmt seine Arbeitsweise selbst. Jeder Arbeitskreis kann sich eine eigene Geschäftsordnung geben.

(4) Die Arbeitskreise handeln nach den Maßgaben der Mitgliederversammlung und des Vorstandes; die in den Arbeitskreisen getroffenen Entscheidungen sind gültig.

Zur Zeit gibt es an der Johanna-Ruß-Schule folgende Arbeitskreise:

Basar- und Festgestaltungskreis

Dieser Arbeitskreis bereitet – in ständigem Austausch mit der Konferenz und mit den einzelnen Klassenelternschaften – die verschiedenen an der Schule gefeierten, vom Förderverein veranstalteten Feste vor, unter anderem den jährlichen Martinsmarkt im November. Aus jeder Klasse sollte ein Elternteil mit dem Basar- und Festgestaltungskreis Verbindung halten.

Baukreis

Der Baukreis plant und koordiniert – in ständigem Austausch mit der Konferenz und dem Vorstand – alle baulichen Maßnahmen (Erweiterungen, Veränderungen, Instandhaltungen) an den Gebäuden und an den Außenanlagen. Innerhalb der technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stehen hierbei die pädagogischen Auswirkungen im Vordergrund, aber auch ökologischen Zielen weiß sich der Baukreis verpflichtet. Es gibt eine Geschäftsordnung. Ein eigenes Konzept hat der Baukreis der Schulhofgestaltung gewidmet.

Kinderaufnahmekreis

Der Kinderaufnahmekreis besteht aus 3 bis 4 Lehrkräften und ist verantwortlich für das Verfahren zur Aufnahme von neuen Kindern. Er führt die Aufnahmegespräche mit Eltern und Kindern, vermittelt Hospitationen und legt der Konferenz Vorschläge vor, welches Kind in welche Klasse aufgenommen werden sollte. Für alle bestehenden Klassen – also im Regelfall nicht für die neu zu bildende 1. Klasse – trifft die Konferenz diese Entscheidung, wobei die Stimme der jeweiligen Klassenlehrkraft das größte Gewicht hat.

Für Kinder, die nicht sofort aufgenommen werden können, weil die betreffende Klasse voll ist, wird eine „Warteliste“ geführt. Auch Überlegungen zu eventuellen Änderungen der Klassenzusammensetzung bzw. Bildung von Parallelklassen werden vom Kinderaufnahmekreis in die Konferenz getragen.

Der Kinderaufnahmekreis verantwortet des weiteren die Gestaltung des den Interessenten zugehenden Info-Materials, der Anmeldebögen usw. sowie auch des Elternseminars.

Personalkreis

Der Personalkreis, bestehend aus 3 bis 4 Lehrkräften, dient dem Kollegium und anderne Beschäftigten der Schule als Ansprechpartner in allen Personalfragen wie Änderungen des Arbeitsdeputats, Gehaltsfragen etc. Vor allem aber sorgt er dafür, die an der Schule benötigten Arbeitskräfte – unter anderem die schuljahresweise eingestellten pädagogischen Helfer im Rahmen von BFD und FSJ – zu aquirieren. Er leitet die Kontakte bis zum Vorstellungsgespräch ein; inhaltlich berät und entscheidet dann die Konferenz und der Vorstand.

Therapiekreis

Mitglieder sind die Schulärztin und die TherapeutInnen. Der Therapiekreis koordiniert den Bedarf und die Durchführung der an der Schule gegebenen Therapien in Absprache mit der Konferenz sowie, im Hinblick auf die Finanzierung, mit dem Vorstand.

Die Lehrerkonferenz

Die Zusammensetzung und die Aufgabe der Lehrerkonferenz ist in § 13 der Satzung des Trägervereins geregelt:

§13 Lehrerkonferenz

(1) Der Lehrerkonferenz gehören alle pädagogischen und therapeutischen Mitarbeiter/innen der Schule an. Ebenso können im Einzelfall sonstige Mitarbeiter/innen in die Lehrerkonferenz aufgenommen werden.

(2) Die Lehrerkonferenz berät und beschließt über alle pädagogischen Fragen der Schule. Sie schlägt dem Vorstand die aufzunehmenden bzw. zu entlassenden Schüler vor. Die Lehrerkonferenz schlägt dem Vorstand die zur Einstellung bzw. Entlassung anstehenden Mitarbeiter/innen vor, wobei an den Verfahren ein vom Vorstand bestimmter Elternvertreter teilnehmen soll.

(3) Die Mitglieder der Lehrerkonferenz nehmen sich gemeinsam vor, das pädagogische Konzept der Schule im Gespräch mit den Erziehungsberechtigten jederzeit lebendig weiterzuentwickeln. Sie betreiben einzeln oder gemeinsam Weiterbildung und verfolgen dabei die Entwicklung der Waldorfpädagogik, der anthroposophisch erweiterten Medizin und der allgemeinen Erziehungswissenschaft.

(4) Die Lehrerkonferenz bestimmt ihre Arbeitsweise selbst und kann eigene Untergremien einrichten. Sie kann sich eine eigene Geschäftsordnung geben.

Wie in den meisten Waldorfschulen tagt die Lehrerkonferenz an der Johanna-Ruß-Schule wöchentlich donnerstags. Mindestens zwei Lehrkräfte bereiten die Konferenz zusammen vor und leiten sie. Die mehrstündige Zusammenkunft ist gegliedert in verschiedene Teile:

Verwaltungskonferenz

Hier werden die eher organisatorischen (nicht-pädagogischen) Belange der Schule besprochen. Beispiele sind Terminabsprachen, die Information über Neuigkeiten aus der staatlichen Schulaufsicht und Schulverwaltung und der Bereich der Hausmeisterei (der Hausmeister nimmt nach Möglichkeit an diesem Konferenzabschnitt teil). Die Mitarbeiterinnen des Schulbüros nehmen entweder an der Verwaltungskonferenz teil, oder es wird durch die Protokollführung der Informationsfluss sichergestellt. Auch die Schulsprecher stehen für die Vermittlung zwischen Büro und Konferenz zur Verfügung.

In der Verwaltungskonferenz wird für den größten Teil der vielfältigen wiederkehrenden Einzelaufgaben geregelt, wer sie verantwortlich übernimmt. Hierzu wird eine Ämterliste gepflegt.

Pädagogische Konferenz

Hier werden die pädagogischen Themen besprochen: Neben dem ständigen Austausch über den Unterricht (regelmäßige Berichte der Klassenlehrkräfte) werden einzelne Fragen der Unterrichtsgestaltung (Epochenthemen, didaktische Fragen etc.) im Sinne einer kontinuierlichen internen Fortbildung und Qualitätssicherung intensiver besprochen. Bei Kinderbesprechungen wird jeweils ein Kind in den Fokus der gesamten Konferenz gestellt, auch die Schulärztin und die TherapeutInnen nehmen hieran teil und tragen ihre Beobachtungen und Vorschläge bei.

Bei Bedarf kann die Konferenz sich nach Unter-, Mittel- und OberstufenkollegInnen aufteilen, um stufenbezogene Themen zu besprechen. Auch Klassenkonferenzen können in der regelmäßigen Konferenzzeit, aber auch zu anderen Terminen stattfinden.

Über die Konferenz findet ein pädagogisch-kollegialer Austausch mit anderen Waldorfschulen statt. Bedürfnisse nach externen Fortbildungen werden von hier aus artikuliert und verfolgt.

Ein Teil der Konferenzzeit dient auch jeweils der Erarbeitung anthroposophischer Themen, die die Quelle unserer Arbeit sind.

Künstlerischer Teil

Zur Verlebendigung des kollegialen Miteinanders und zur Gesundheitsvorsorge wird, meist als Zwischenteil zwischen Verwaltungskonferenz und Pädagogischer Konferenz, gemeinsam künstlerisch gearbeitet: es wird Eurythmie, Sprachgestaltung oder Volkstanz gemacht, gesungen, gezeichnet, das Christgeburtspiel oder ein Karnevalssketch vorbereitet.

Interne Konferenz

Themen, die einer besonderen Vertraulichkeit bedürfen, z.B. Personalfragen, werden in diesem Konferenzteil besprochen. Hier sind alle Kolleginnen und Kollegen einbezogen, die in einem unbefristeten Vertragsverhältnis stehen und die regelmäßige Mitarbeit in diesem Konferenzteil ausdrücklich wollen.

Tägliche Stehkonferenz

Eine kurze morgendliche Zusammenkunft vor Unterrichtsbeginn dient dem kurzfristigen Informationsaustausch – aber auch der Einstimmung auf den Tag, denn sie beginnt mit dem Lesen des jeweiligen Wochenspruches in jahreszeitlicher Stimmung.

Der Trägerverein

Der gemeinnützige Verein „Johanna-Ruß-Schule e.V.“ wurde am 28. Oktober 1996 gegründet und ist unter der Nummer VR 2289 im Vereinsregister beim Amtsgericht Siegen eingetragen. Hier finden Sie die Satzung.

Der Trägerverein ist juristischer Träger der Johanna-Ruß-Schule und tritt als solcher gegenüber der Schulaufsicht (Ministerium und Bezirksregierung) verantwortlich auf. Er ist Zuschussempfänger für die Ersatzschulrefinanzierung des Landes, Mieter der Schulgebäude und Arbeitgeber der an der Schule angestellten Menschen.

Mitglieder des Trägervereins sind vor allem Lehrkräfte, aber auch einige Eltern und andere Personen. Für den Beitritt bedarf es gemäß Satzung einer besonderen Erklärung.

Der Förderverein

Der gemeinnützige „Verein zur Förderung der Waldorfschule für Erziehungshilfe e.V.“ wurde am 6. Oktober 1989 gegründet und ist unter der Nummer VR 1878 im Vereinsregister beim Amtsgericht Siegen eingetragen. Hier finden Sie die Satzung und die Beitrittserklärung.

Der Förderverein ist Eigentümer der Schulgebäude. Außerdem unterstützt er die Schule, indem die Vereinsmitglieder Spenden akquirieren, Veranstaltungen durchführen etc.

Mitglieder des Fördervereins sind neben den Lehrkräften vor allem Eltern (automatische Mitgliedschaft mit der Aufnahme des Kindes in die Schule), aber auch viele Förderer der Schule.

Der Förderverein ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW, Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein-Olpe.

Der Förderverein ist als gemeinnützig und mildtätig anerkannt und freut sich über Ihre steuerabzugsfähige Spende.

Der Vereinsname geht – vor der Namensfindung der Johanna-Ruß-Schule – auf einen Sprachgebrauch von Friedbert Jaenicke zurück, der in einer Konzeption die Unterrichtung verschieden behinderter Kinder vorschlug. Dies ist nicht zu verwechseln mit dem heutigen „Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung“. Vgl. Jaenicke, Kinder mit Entwicklungsstörungen, Stuttgart 1996, S. 27f.

Der gemeinsame Vorstand

Die Vorstände von Träger- und Förderverein, deren Zusammensetzung in der jeweiligen Satzung bestimmt ist, tagen und arbeiten gemeinsam. Zur Zeit finden ca. 4wöchentliche Sitzungen statt. Der gemeinsame Vorstand ist etwa paritätisch durch Eltern und Lehrkräfte besetzt.

Im Vorstand werden vor allem die finanzielle Situation der Schule betreffende Themen besprochen und entschieden. Der Kontakt zur Lehrerkonferenz besteht schon durch Lehrer, die Vorstandsmitglieder sind. Damit auch die Elternperspektive zum Tragen kommt, stehen die Eltern-Vorstandsmitglieder entsprechend als Ansprechpartner für alle Eltern zur Verfügung.

Die Gesamtkonferenz

Die Gesamtkonferenz dient dem Austausch aller in der Schule Beteiligten. Ihre Zusammensetzung und die Aufgabe der Gesamtkonferenz ist in § 11 der Satzung des Trägervereins geregelt:

§11 Gesamtkonferenz

(1) Die Gesamtkonferenz setzt sich zusammen aus den Mitgliedern der Arbeitskreise, des Vorstandes und des Lehrerkollegiums. Sie findet möglichst viermal im Jahr statt. Über die Konferenz wird ein Protokoll aufgenommen.

(2) Es ist ihre Aufgabe, die in den §§ 6 und 7 genannten Grundsätze für das Schulleben zu verwirklichen.

(3) Jedes Mitglied der Mitgliederversammlung und jedes Organ des Vereins kann sich in Konfliktfällen an die Gesamtkonferenz wenden. Die Gesamtkonferenz kann im Einzelfall eine Schlichtungskommission bilden, die Vorschläge zur Lösung des anstehenden Konfliktes erarbeiten soll.

(4) Bei Bedarf gibt sich die Gesamtkonferenz eine eigene Geschäftsordnung.


Die Wochenpost: damit alle bescheidwissen

Ein effektiver Informationsfluss unter allen Beteiligten der Schule ist wichtig. Für Nachrichten, die die gesamte schulinterne Öffentlichkeit angehen, steht die Wochenpost zur Verfügung, die als Papier- oder Emailausgabe jeweils freitags allen Elternhäusern, Lehrkräften und Mitarbeitern zukommt. Soweit die Inhalte auch für die allgemeine Öffentlichkeit bestimmt sind, finden sie auch Eingang in die Internet-Ausgabe.


Mitarbeit an unserer Schule

Lehrer/in werden – und sein

Die menschlich-pädagogischen Voraussetzungen für diesen schönen Beruf sind:

  • liebevolles Interesse für unsere Kinder und Jugendlichen
  • pädagogische Kompetenz, Geschick und vor allem Entwicklungsbereitschaft
  • jede Menge Tatkraft, Humor und was es sonst an guten Eigenschaften gibt…
  • Offenheit gegenüber den Methoden der Waldorfpädagogik und ihren anthroposophischen Grundlagen
  • Bereitschaft, sich in die Form unserer Sozialgestalt hereinzustellen.


Die formellen Voraussetzungen für eine Lehrtätigkeit an unserer Schule sind durch die Gesetzgebung und staatliche Schulaufsicht festgelegt; es ist eine Unterrichtsgenehmigung durch die Bezirksregierung Arnsberg erforderlich.

Als Grundlage für eine Unterrichtsgenehmigung kann dienen

  • eine Ausbildung für Lehrer an öffentlichen Schulen
  • eine sonstige pädagogische Ausbildung
  • ein abgeschlossenes Hochschulstudium
  • der Abschluss einer Handwerksausbildung mit Meisterprüfung.

In vielen Fällen ist ein Seiteneinstieg mit einer befristeten Unterrichtsgenehmigung möglich. Dann muss eine Nachqualifikation in Form einer berufsbegleitenden Zusatzausbildung erfolgen. Hier arbeiten wir besonders mit dem Institut für Heilpädagogische Lehrerbildung (IHL) bzw. dem Institut für Waldorf-Pädagogik (beide in Witten-Annen) sowie den Berufsbegleitenden Kursen für Waldorfpädagogik Ruhrgebiet (Herne) zusammen.

Die Konzeption unserer Berufseinführung und Mentorierung wird unter Pädagogische Qualitätsentwicklung beschrieben.

Offene Stellen…

… finden Sie hier – oder Sie rufen einfach an!

Pädagogische Qualitätsentwicklung

Pädagogisches „Denken, Fühlen und Handeln“ – um diese in der Waldorfpädagogik oft benutzte Dreiteilung zu gebrauchen – kann niemals stillstehen oder statisch festgelegt werden. Pädagogische Qualität kann letztlich nicht wirklich „gesichert“ werden, sondern befindet sich stetig in Weiterentwicklung. Bei pädagogischen Prozessen stehen für die Waldorfpädagogik nicht schematische Handlungsmuster im Mittelpunkt, sondern die beteiligten Menschen als umfassende Persönlichkeiten – mit ihrem „Denken, Fühlen und Handeln“. Die Waldorfpädagogik wurde daher schon bei ihrer Entstehung nicht als technokratische Wissenschaft angelegt, sondern verfolgt das Ziel, Erziehungskunst zu sein.

Instrumente unserer Qualitätsentwicklung sind:

Die pädagogische Konferenz

Mehrere Elemente der wöchentlichen Lehrerkonferenz tragen zur Qualitätsentwicklung bei, insbesondere der Wochenrückblick, in dem das Plenum wichtige Ereignisse aus den Klassen gemeinsam reflektiert, sowie die Kinderbesprechung, bei der ein Kind im Fokus der Erwachsenen steht. Darüber hinaus werden in Stufenkonferenzen pädagogische Themen besprochen.

Berufseinführung und Mentorierung

Jeder neu einsteigende Lehrer wählt sich einen Kollegen seiner Wahl zur Einführung in die Tätigkeit und Mentorierung, da am Anfang der Bedarf nach Anleitung und Reflexion besonders hoch ist. Der Mentor berichtet regelmäßig in der Internen Konferenz aus dieser Arbeit.

Gegenseitiges Hospitieren

Eine besonderes schöne und effektive Möglichkeit zur Qualitätsentwicklung bietet das gegenseitige Hospitieren. Nicht nur Neueinsteiger, sondern alle Lehrer erhalten durch Unterrichtsbefreiung (Vertretung) in regelmäßigen Abständen die Gelegenheit, Kollegen in Unterrichtsstunden zu besuchen. Durch Besuche und nachbereitende Gespräche finden auf beiden Seiten Lernprozesse statt. Im Rahmen der pädagogischen Konferenz werden diese Hospitationen koordiniert.

Fortbildungen

Alle Kollegen erhalten regelmäßig die Gelegenheit zu externen Fortbildungen. Bestandteil der Konferenzarbeit ist, den Themenbedarf nach gemeinsamen, internen Fortbildungen zu erspüren.

Die Vernetzung innerhalb der Waldorfbewegung ermöglicht ein großes Angebot an einschlägigen Fortbildungen. Hierzu verweisen wir auf die unter Freunde/Partner/Links genannten Fortbildungseinrichtungen.

Förderpläne

In regelmäßigen Abständen werden die individuellen Förderpläne, die nach § 19 Abs. 6 AO-SF vorgeschrieben sind, in gemeinsamer Beratung geprüft und fortgeschrieben.

Überprüfung des Förderbedarfs

Wie in § 17 AO-SF vorgeschrieben, überprüft eine Klassenbesprechung jährlich, ob der Förderbedarf jedes Kindes weiter besteht, sich verändert hat oder weggefallen ist.

Biographien ehemaliger Schüler

Die Lehrkräfte pflegen bewusst Kontakte zu ehemaligen Schülerinnen und Schülern. Ihre Berichte über ihre persönliche und berufliche Entwicklung sowie ihr Rückblick auf ihre Schulzeit können wertvolle pädagogische Hinweise geben. Es wird – unter Beachtung des Datenschutzes – eine Abgängerstatistik gepflegt.

Schulentwicklung

Aus der Arbeit der Konferenz, der Arbeitskreise, des Vorstands oder anderer Gremien entstehen oft Veränderungswünsche zur Schulgestaltung, die nicht unmittelbar umgesetzt werden können. Sie werden in einer „Agenda“ festgehalten, damit fruchtbare Ideen, die eine längere Entwicklungszeit benötigen, nicht verloren gehen.

Bundesfreiwilligendienst / Freiwilliges Soziales Jahr

Als anerkannte Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst (BFD) bieten wir z.B. jungen Menschen, die überlegen, eine pädagogische Ausbildung zu beginnen, die Möglichkeit, ein Schuljahr lang besondere und sinnerfüllende Erfahrungen zu sammeln. Auf Antrag kann der BFD als Eignungspraktikum im Rahmen des Lehramtsstudiums anerkannt werden.

Der Bundesfreiwilligendienst entspricht in seinen Konditionen (Seminartage, Anrechenbarkeit für ein eventuelles Studium etc.) dem Freiwilligen Sozialen Jahr.

Helfen Sie uns suchen, indem Sie dieses kleine Plakat für uns aufhängen, z.B. an Schulen! Dasselbe haben wir auch als A6-Postkarten, zum Auslegen. Bitte melden, wer welche braucht!

Aufgaben

Der Bundesfreiwillige ist in der Regel einer Schulklasse zugeteilt und unterstützt die jeweils unterrichtende Lehrkraft in ihren pädagogischen Zielen und Maßnahmen. Er ist sozusagen „der verlängerte Arm“ des Lehrers.

Das bedeutet, dass er die pädagogischen Absichten des Lehrers gut verstehen und mittragen können muss. Denn in unserer Waldorfpädagogik legen wir großen Wert auf die Gemeinschaftsprozesse, die von einer Mitte ausgehen: von der gemeinsamen Aufmerksamkeit auf Themen des lehrerzentrierten Unterrichts. Diese Aufmerksamkeit ist ganzheitlich, umfasst Denken, Fühlen und Wollen. Schüler können nur wirklich lernen, wenn sie die Begeisterung des Lehrers für den Gegenstand spüren. Der Helfer muss sich von diesem „Geist“ im Klassenraum mit erfassen lassen.

Auf dieser Grundlage trägt der erwachsene Helfer dazu bei, dass die vom jeweiligen Lehrer verantworteten und organisierten Lerngelegenheiten, die vielfältig über den gesamten Tagesablauf (Unterrichte und Pausenzeiten) verteilt sind, für die Kinder und Jugendlichen fruchtbar werden.

Wir haben zu dieser Tätigkeit ein ausführlicheres Pädagogisches Konzept erstellt.

Einsatzzeiten

Die Kern-Einsatzzeiten entsprechen den Unterrichtszeiten zuzüglich etwas Vor- und Nachlaufzeit:

Montag, Dienstag, Mittwoch: 8.00 bis 16.15
Donnerstag: 8.00 bis 14.15
Freitag: 8.00 bis 12.45

Die für den Bundesfreiwilligendienst vorgesehene Vollzeit-Stundenzahl von ca. 38,5 Stunden ist durch die Unterrichtszeit, vor allem im Hinblick auf die Ferienzeiten, nicht erfüllt. Wir setzen daher die flexible Einsatzbereitschaft unserer Helfer für ergänzende Aufgaben voraus, z.B. für:

  • pädagogische Teambesprechungen
  • Elterngespräche und -besuche zusammen mit der Klassenlehrkraft
  • Elternabende
  • Teilnahme an Schulfesten und deren Vorbereitung
  • Teilnahme an Klassenfahrten
  • Betreuungseinsätze im Elternhaus (betr. Integrationshelfer)

Seminare

Die Freiwilligen des BFD nehmen an 25 Seminartagen innerhalb des Jahres (meist als 5 Seminarwochen organisiert) teil. Diese Seminare laufen in der Verantwortung von

EOS-Erlebnispädagogik e.V.
Wildbachweg 11
79117 Freiburg
Tel. 0761-60080-0

Unsere enge und bewährte Kooperation mit diesem Träger macht das BFD-Jahr zu einer abgerundeten Sache. Die Seminare passen besonders gut zu unserm waldorfpädagogischen Schulleben und tragen neben der täglichen Arbeit dazu bei, dass sich die Freiwilligen eines Jahrganges als Gemeinschaft erleben. Schon viele junge Menschen haben hier fruchtbare Impulse für ihre Biografie erhalten…

Alle Helfer, also auch die Teilnehmer/innen des Jahrespraktikums, nehmen an einer regelmäßigen wöchentlichen oder vierzehntägigen Seminarstunde teil, die von einer Lehrkraft unserer Schule geleitet wird. Dies dient zusätzlich der Reflexion der täglichen Arbeit und der Erarbeitung unserer pädagogischen Hintergründe.

Finanzielle Bedingungen

Die aktuellen finanziellen Bedingungen für den Einsatz im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes erfragen Sie bitte, da sie abhängig von öffentlichen Zuschüssen und anderen Faktoren sind und daher variieren können.

Wichtig ist vorweg: Wir können selbst keine Wohnmöglichkeiten bieten. Jungen Menschen, die eine BFD-Stelle mit integrierter Wohnmöglichkeit suchen, empfehlen wir den Kontakt zu den (siehe oben). Dieser Träger hat bundesweit viele Einsatzstellen im Bereich anthroposophisch orientierter sozialer Arbeit, die gleichzeitig eine Wohnmöglichkeit bieten.

Voraussetzungen und Bewerbungsverfahren

Wenn Sie sich für den Bundesfreiwilligendienst bei uns bewerben wollen, sollten Sie

  • volljährig sein
  • ein einwandfreies erweitertes Führungszeugnis vorlegen können
  • Freude und Interesse am Umgang mit Kindern haben
  • offen für neue Erfahrungen sein.

Bitte schicken Sie uns Ihre Bewerbung per Email an bfd@foerderschule-siegen.de, möglichst mit Foto: Wir haben es mit der Bearbeitung dann leichter und können uns auch längere Zeit nach einem Vorstellungstermin noch an Sie erinnern – was wichtig für die Einsatzplanung ist.

Nach Eingang Ihrer Bewerbung verabreden wir mit Ihnen einen „Schnuppertag“ (einen „langen“ Schultag von 8 bis 16 Uhr), bei dem wir beiderseitig herauszufinden versuchen, ob wir zueinander passen.

Downloads zu Ihrer Info

Dokumente des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA):

Aktuelle Informationen für das BFD-Jahr 2018/2019

  • Das Taschengeld beträgt 390 Euro (gesetzliche Höchstgrenze). Weitere Leistungen können nicht gezahlt werden.
  • Das BFD-Jahr geht vom 01.08.2018 bis zum 31.07.2019. Andere Zeiten sind aber nach individueller Absprache möglich.
  • Seminartermine (jeweils in den NRW-Ferien): sind individuell

Ob es noch freie Stellen gibt, können Sie am besten telefonisch erfahren.

Ihre Bewerbung schicken Sie bitte an bfd@foerderschule-siegen.de.

Jahrespraktikum FOS Sozial- und Gesundheitswesen

In Zusammenarbeit mit dem Berufskolleg AHS Siegen – auf Nachfrage auch mit entsprechenden anderen Institutionen – bieten wir Praktikumsplätze mit 3 oder 4 Wochentagen für den Bildungsgang zur Fachhochschulreife. Interessenten setzen sich bitte mit uns in Verbindung.

Sonstige Praktika

Sonstige Praktika sind bei uns in der Regel ab der Dauer von 3 Wochen möglich. Diese Beschränkung ist darin begründet, dass wir sehr viele Praktikumsanfragen bekommen und unseren Kindern nicht zuviel Wechsel und Unruhe zumuten können. Bitte kontaktieren Sie uns bei Bedarf.

Für das in NRW in die staatliche Lehrerausbildung integrierte Eignungs- und Orientierungspraktikum können wir ebenfalls einige Plätze anbieten. Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Informationen dazu seitens des Schulministeriums finden Sie hier.

Informieren Sie sich gegebenenfalls auch, ob der Bundesfreiwilligendienst an unserer Schule als Eignungs- und Orientierungspraktikum anerkannt werden kann.

Fahrdienst Schülerverkehr

Im Rahmen des sogenannten Schülerspezialverkehrs hat unser Förderverein mehrere Kleinbus-Linien eingerichtet, mit denen die Kinder und Jugendlichen zur Schule und wieder nach Hause gefahren werden. Neben der Fahrerfahrung ist hierzu eine pädagogische Eignung erforderlich.

Offene Stellen…

… finden Sie gegebenenfalls hier.

Ehrenamtliche Tätigkeiten

Nicht immer können wir alles, was an der Schule zu tun ist, durch Tätigkeit der eingestellten LehrerInnen und MitarbeiterInnen abdecken. Für spezielle Aufgabenbereiche (Beispiele: IT-Beratung, Lehrerbibliothek) suchen wir gelegentlich Menschen, die sich ehrenamtlich einsetzen wollen. Sprechen Sie uns an!


Sonstiges

Freunde / Partner / Links

Eine Zusammenstellung von Einrichtungen, Verbänden und Behörden, mit denen wir zusammenarbeiten:

Waldorfschulen unserer Region

Rudolf Steiner Schule Siegen

Freie Waldorfschule Oberberg

Freie Waldorfschule Neuenrade

Waldorfkindergärten unserer Region

Waldorfkindergarten am Häusling, Siegen

Waldorfkindergarten Rosengarten, Siegen (Kirchweg)

Waldorfkindergarten Siegen-Seelbach

Familienzentrum Oranienstraße, Siegen

Waldorfkindergarten Gummersbach

Waldorfkindergarten Wiehl

Naturkinderhaus e.V. Wiehl-Siefen

Waldorfkindergarten Waldbröl

Waldorfkindergarten Betzdorf / Kirchen

Sonstige Einrichtungen unserer Region

Hand in Hand e.V. / Sehlberghof Bad Berleburg-Aue

Birkenhof (Demeter-Hof in Wilgersdorf)

Lebensgemeinschaft Eichhof (Much)

Lebendiges Haus e.V. – Mehrgenerationen-Wohnen

KiTa „Arche Noah" – unsere lieben Nachbarn

Pädagogische Ausbildung

Institut für Waldorf-Pädagogik (Witten-Annen)

Institut für Heilpädagogische Lehrerbildung (Witten-Annen)

Berufsbegleitende Kurse für Waldorfpädagogik Ruhrgebiet (Herne)

Bund der Freien Waldorfschulen: Fortbildungs-Datenbank

Bund der Freien Waldorfschulen: Fortbildungs-Gesamtverzeichnis

Lehrerseminar für Waldorfpädagogik (Kassel)

ipsum – Institut für Pädagogik, Sinnes- und Medienökologie

Berufskolleg AHS, Siegen

Verbände, Vereine

Bund der Freien Waldorfschulen e.V. (Stuttgart)

Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen (Hamburg)

Arbeitsgemeinschaft Waldorfpädagogik NRW (Dortmund)

Landeselternrat der Waldorfschulen in NRW (Dortmund)

Verband für Anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und Soziale Arbeit e.V. (Echzell-Bingenheim)

Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. (Karlsruhe)

EOS-Erlebnispädagogik e.V. (Freiburg)

Gesundheit aktiv e.V. (Berlin)

Paritätischer Wohlfahrtsverband NRW

Paritätischer Wohlfahrtsverband NRW, Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein-Olpe

Waldorfpädagogik: Material, Ressourcen

Waldorf-Ideen-Pool

Staatliche Schulaufsicht

Schulministerium NRW (Düsseldorf)

Bezirksregierung Arnsberg – Schulaufsicht an Förderschulen

Kreis Siegen-Wittgenstein – Schulamt

Schulrecht / Recht der Schulen in freier Trägerschaft

Institut für Bildungsforschung und Bildungsrecht e.V. (IfBB)

Zeitschrift „Recht & Bildung“

Download verschiedener Dokumente der Johanna-Ruß-Schule

Hier finden Sie noch einmal zusammengefasst die wichtigsten auf unserer Website erwähnten Downloads:

Dokumente zum Thema „Inklusion“ finden Sie auf unserer diesbezüglichen Themenseite.

Häufig gestellte Fragen an der Johanna-Ruß-Schule

Häufig gestellte Fragen:

Welche Kinder können die Johanna-Ruß-Schule besuchen und wie ist das Aufnahmeverfahren?

Wir können Kinder mit folgenden sonderpädagogischen Förderschwerpunkten aufnehmen: Geistige Entwicklung, Lernen, Emotionale und soziale Entwicklung. Das Vorliegen eines dieser Förderbedarfe muss in einem offiziellen Verfahren festgestellt werden. Wenden Sie sich bitte an das zuständige Schulamt. Der Rest ist „Privatsache“ zwischen uns als Schule in freier Trägerschaft und Ihnen als Eltern. Nach Zusendung eines Aufnahmeantrags wird ein Kennenlerngespräch verabredet. Ein Hospitationstag sowohl des Kindes wie auch der Eltern an unserer Schule ist der nächste Schritt, um herauszufinden, ob wir die richtige Schule für beide sind. Siehe auch: Informationen zur Kinderaufnahme.

Welchen Abschluss kann mein Kind an der Johanna-Ruß-Schule machen?

In Einzelfällen kann an unserer Schule der Hauptschulabschluss erworben werden. Dies setzt aber voraus, dass die entsprechenden Möglichkeiten im Kind bzw. Jugendlichen veranlagt sind, was bei den wenigsten der Fall ist. Wir warnen davor, dem Kind gegenüber Erwartungen zu haben, die es nicht erfüllen kann. Dies setzt das Kind einem Druck aus, der das Lernen eher verhindert. Siehe auch: Was kommt nach der Schule?.

Was geschieht nach der Schule, wenn mein Kind keinen Abschluss erreichen kann?

Unsere Gesellschaft stellt heutzutage differenziert abgestufte Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung, wie ein behinderter Mensch möglichst selbstständig wohnen, arbeiten und leben kann. Um das Passende zu finden, muss die Initiative allerdings von den Schülern und Eltern selbst ausgehen, und zwar früh genug. Als Schule haben wir das Ziel, die Kinder in ihrem Selbstbewusstsein so stark zu machen, dass sie als Erwachsene auch mit Schwierigkeiten gut zurecht kommen. Für diejenigen Schüler, die offiziell als „geistig behindert“ anerkannt sind (Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“), steht der Weg in eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) offen. Die anderen Schüler werden es schwerer haben. Der Weg in den „ersten Arbeitsmarkt“ ist meist nur über Beziehungen zu finden. Aus einer Elterninitiative unserer Schule ist der Verein entstanden, der in unserer Region Möglichkeiten zur nachschulischen Betreuung auf Grundlage des anthroposophischen Menschenbildes schaffen will. Siehe auch: Siehe auch: Was kommt nach der Schule?.

Was sind die Kosten, die auf uns als Eltern zukommen?

Unsere Schule wird nur zum Teil vom Land Nordrhein-Westfalen refinanziert. Die Schulgemeinschaft muss einen erheblichen Teil der Kosten selbst aufbringen. Von den Eltern wird eine entsprechende Beteiligung erwartet. Ganz wichtig ist uns aber: Keinem Kind soll aus finanziellen Gründen der Zugang zu unserer Schule verwehrt sein. So steht es sogar im Grundgesetz, und daran halten wir uns. Zusätzlich entstehen monatliche Kosten wie an jeder anderen Schule: Klassenkasse, ein Therapiebeitrag sowie die Kosten für das Mittagessen. Siehe auch: Informationen zur Kinderaufnahme.

Was wird von uns als Eltern sonst noch erwartet?

Dass Sie „hinter der Schule stehen“. Für die Kinder ist es wichtig zu spüren, dass Lehrer und Eltern „an einem Strang ziehen“. Nicht alle Erziehungsvorstellungen müssen deckungsgleich sein, aber das Kind muss wahrnehmen können, dass ein grundsätzliches tiefes Vertrauen zwischen Elternhaus und Schule besteht. Nach Ihren persönlichen Möglichkeiten werden Sie sich mit Ihrer Initiative in der Schule einbringen. Es gibt ein Reihe von Arbeitskreisen (wie Öffentlichkeitskreis, Basarkreis, Finanzkreis, Bauunterhaltungskreis oder auch der Vereinsvorstand), in denen Eltern und Lehrer zusammen das Funktionieren der Schule sichern. Siehe auch: Eltern sein.

Welcher Religionsunterricht wird an der Schule erteilt?

Es wird ein gemeinsamer, konfessionsübergreifender freier christlicher Religionsunterricht erteilt. Siehe auch: Unsere besondere Schule.

Wie kommen die Schüler zur Schule?

Bis auf wenige Ausnahmen ist unseren Kindern nicht zuzumuten, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Schule erreichen. In Nordrhein-Westfalen ist aus dem gesamten Einzugsbereich ein für die Eltern kostenfreier Schülertransport garantiert. Der Transport aus Rheinland-Pfalz und Hessen wird leider nicht in allen Fällen refinanziert. Die Schulgemeinschaft trägt hier solidarisch Kosten mit. Von den betreffenden Elternhäusern wird allerdings Kooperation erwartet (ggf. Beteiligung an selbstorganisierten Fahrdiensten).

Impressum

Verantwortlich für diese Website ist im Sinne des TMG:

Johanna-Ruß-Schule e.V.
Numbachstr. 3
57072 Siegen

Martin Cuno, Vorstandsmitglied

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